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Dienstag, 29. Juni 2010
Die Geschichte vom Teekesselchen
Am Samstagmittag machten Linda und ich uns auf den Weg zum Masalamarkt. Ich wollte mir einen Teekessel kaufen. Als wir auf dem Markt nirgends genau den Teekessel finden konnten, den wir haben wollten, gaben wir es schon fast auf. Der Teekessel sollte eine bestimmte Größe und aus Blech sein. Uns zwei Muzungus konnte man wohl unsere Ratlosigkeit ansehen, denn nach kurzer Zeit kam ein junger Mann auf uns zu und fragte nach was wir suchten. Wir erzählten ihm, dass wir nach einem Teekessel in dieser bestimmten Größe und aus Blech suchen. Er wusste natürlich, wo man diesen bestimmten Kessel finden konnte. Er lies uns ca. 15 Minuten mitten auf dem Markt warten, während dessen er scheinbar den kompletten Masakamarkt (der nicht gerade klein ist) nach unserem Teekesselchen absuchte. Nach einer viertel Stunde kam er mit einem 3er Set Teekessel aus Edelstahl zurück. Danach hatten wir ja nicht gesucht. Trotzdem wollte er uns dieses Set viel zu überteuert andrehen. Wir winkten ab und waren schon im Begriff zu gehen, als er meinte, er würde noch mal los laufen.
Linda und ich warteten weitere 10 Minuten auf unseren Teekesselhändler. Während dessen schauten wir dem Treiben auf dem Markt zu. Viele betrunkene Männer zogen an uns vorbei (am Wochenende ist die Zahl an betrunkenen Männern um einiges erhöht). Die Eierfrau bot Linda ihren Stuhl zum sitzen an. Ein Mann, der mit den verschiedensten Farben an Nagellack über den Markt lief und den Marktfrauen die Fußnägel lackierte fragte, ob wir auch mal wollten. Dann kamen plötzlich drei Männer, alle drei hatten einen Teekessel in der Hand. Natürlich jeder einen anderen. Aber nicht den, den ich haben wollte. Scheinbar hatte sich auf dem Markt rumgesprochen, dass die Muzungus einen Teekessel suchten. Wir dankten den drei Herren und warteten weiter auf unseren Mann.
Nach 10 Minuten des Wartens kam er zurück. Total außer Atem und völlig verschwitzt hielte er uns stolz genau den Teekessel vor die Nase, nachdem wir gesucht hatten.
Jetzt ging’s ans Verhandeln: Natürlich setzte er mit einem enormen Muzungupreis an, der bei mehr als dem dreifachen des normalen Preises lag. Da sich Linda bereits genau diesen Teekessel vor einigen Monat gekauft hatte, kannten wir den üblichen Preis. Er konnte uns also nicht so leicht über den Tisch ziehen. Nach kurzer Verhandlung ging er mit dem Preis um weniger als ein Drittel runter. Das war aber immer noch nicht der Preis, für den ich den Kessel gekauft hätte. Leider lies er nicht mit sich reden, also verabschiedeten wir uns höflich. Die drei anderen Händler mit ihren Teekesseln in der Hand schalteten sich dann plötzlich auch noch ein, und meinten wir sollten etwas nachsichtig sein, schließlich sei er über den ganzen Markt gerannt, um uns unseren Kessel zu bringen.
Linda und ich machten uns auf den Weg zum Bus. Bis zur Busstation liefen uns die Männer mit dem Kessel hinterher. Ich erklärte, dass ich zwar diesen Kessel gerne haben möchte, aber nicht für diesen Preis und dass ich ihn mir dann eben woanders kaufen muss. So ging es ständig hin und her, bis er schließlich nachgab und sagte, ich könne ihn für meinen Preis haben. Mittlerweile war ich ziemlich genervt von der ganzen Kesselaktion und wäre eigentlich am liebsten nur noch gegangen. Na gut, ich holte mein Geld raus und während ich das tat fing er schon wieder an, ich solle doch noch zweitausend drauf legen. Ich stellte den Kessel auf den Boden und ging weiter. Meine Geduld war jetzt am Ende. Er hatte ihn mir fast nachgeworfen, als ich ihm dann das Geld gab. Immer noch das doppelte von dem üblichen Preis.
Völlig genervt, aber glücklich mit meinem Teekesselchen, stiegen Linda und ich in den Bus, um zurück in die Stadt zu fahren. Auf halber Strecke hielte der Bus an und zerrte einen Mann aus der Mitte des Busses, der scheinbar nicht genug Geld dabei hatte, um die volle Strecke in die Stadt bezahlen zu können. Er fluchte und tritt nach dem Contacter (das ist der Mann, der im Bus nie Platz hat und das Geld einsammelt). Linda und ich saßen in der letzten Reihe des Busses und als wir uns umdrehten, um nach dem Mann zu schauen, hob er einen riesigen Stein vom Boden auf, den er in Richtung Bus warf. Zum Glück hat er nicht getroffen, denn wenn er getroffen hätte, dann hätte dieser Stein die Heckscheibe eingeschlagen und uns getroffen.
Ein ganz normaler Tag in Ndola.
Liebste Grüße von Franzi
Am Samstagmittag machten Linda und ich uns auf den Weg zum Masalamarkt. Ich wollte mir einen Teekessel kaufen. Als wir auf dem Markt nirgends genau den Teekessel finden konnten, den wir haben wollten, gaben wir es schon fast auf. Der Teekessel sollte eine bestimmte Größe und aus Blech sein. Uns zwei Muzungus konnte man wohl unsere Ratlosigkeit ansehen, denn nach kurzer Zeit kam ein junger Mann auf uns zu und fragte nach was wir suchten. Wir erzählten ihm, dass wir nach einem Teekessel in dieser bestimmten Größe und aus Blech suchen. Er wusste natürlich, wo man diesen bestimmten Kessel finden konnte. Er lies uns ca. 15 Minuten mitten auf dem Markt warten, während dessen er scheinbar den kompletten Masakamarkt (der nicht gerade klein ist) nach unserem Teekesselchen absuchte. Nach einer viertel Stunde kam er mit einem 3er Set Teekessel aus Edelstahl zurück. Danach hatten wir ja nicht gesucht. Trotzdem wollte er uns dieses Set viel zu überteuert andrehen. Wir winkten ab und waren schon im Begriff zu gehen, als er meinte, er würde noch mal los laufen.
Linda und ich warteten weitere 10 Minuten auf unseren Teekesselhändler. Während dessen schauten wir dem Treiben auf dem Markt zu. Viele betrunkene Männer zogen an uns vorbei (am Wochenende ist die Zahl an betrunkenen Männern um einiges erhöht). Die Eierfrau bot Linda ihren Stuhl zum sitzen an. Ein Mann, der mit den verschiedensten Farben an Nagellack über den Markt lief und den Marktfrauen die Fußnägel lackierte fragte, ob wir auch mal wollten. Dann kamen plötzlich drei Männer, alle drei hatten einen Teekessel in der Hand. Natürlich jeder einen anderen. Aber nicht den, den ich haben wollte. Scheinbar hatte sich auf dem Markt rumgesprochen, dass die Muzungus einen Teekessel suchten. Wir dankten den drei Herren und warteten weiter auf unseren Mann.
Nach 10 Minuten des Wartens kam er zurück. Total außer Atem und völlig verschwitzt hielte er uns stolz genau den Teekessel vor die Nase, nachdem wir gesucht hatten.
Jetzt ging’s ans Verhandeln: Natürlich setzte er mit einem enormen Muzungupreis an, der bei mehr als dem dreifachen des normalen Preises lag. Da sich Linda bereits genau diesen Teekessel vor einigen Monat gekauft hatte, kannten wir den üblichen Preis. Er konnte uns also nicht so leicht über den Tisch ziehen. Nach kurzer Verhandlung ging er mit dem Preis um weniger als ein Drittel runter. Das war aber immer noch nicht der Preis, für den ich den Kessel gekauft hätte. Leider lies er nicht mit sich reden, also verabschiedeten wir uns höflich. Die drei anderen Händler mit ihren Teekesseln in der Hand schalteten sich dann plötzlich auch noch ein, und meinten wir sollten etwas nachsichtig sein, schließlich sei er über den ganzen Markt gerannt, um uns unseren Kessel zu bringen.
Linda und ich machten uns auf den Weg zum Bus. Bis zur Busstation liefen uns die Männer mit dem Kessel hinterher. Ich erklärte, dass ich zwar diesen Kessel gerne haben möchte, aber nicht für diesen Preis und dass ich ihn mir dann eben woanders kaufen muss. So ging es ständig hin und her, bis er schließlich nachgab und sagte, ich könne ihn für meinen Preis haben. Mittlerweile war ich ziemlich genervt von der ganzen Kesselaktion und wäre eigentlich am liebsten nur noch gegangen. Na gut, ich holte mein Geld raus und während ich das tat fing er schon wieder an, ich solle doch noch zweitausend drauf legen. Ich stellte den Kessel auf den Boden und ging weiter. Meine Geduld war jetzt am Ende. Er hatte ihn mir fast nachgeworfen, als ich ihm dann das Geld gab. Immer noch das doppelte von dem üblichen Preis.
Völlig genervt, aber glücklich mit meinem Teekesselchen, stiegen Linda und ich in den Bus, um zurück in die Stadt zu fahren. Auf halber Strecke hielte der Bus an und zerrte einen Mann aus der Mitte des Busses, der scheinbar nicht genug Geld dabei hatte, um die volle Strecke in die Stadt bezahlen zu können. Er fluchte und tritt nach dem Contacter (das ist der Mann, der im Bus nie Platz hat und das Geld einsammelt). Linda und ich saßen in der letzten Reihe des Busses und als wir uns umdrehten, um nach dem Mann zu schauen, hob er einen riesigen Stein vom Boden auf, den er in Richtung Bus warf. Zum Glück hat er nicht getroffen, denn wenn er getroffen hätte, dann hätte dieser Stein die Heckscheibe eingeschlagen und uns getroffen.
Ein ganz normaler Tag in Ndola.
Liebste Grüße von Franzi
Freitag, 25. Juni 2010
Muli shani…
Mal wieder habe ich mich längere Zeit nicht gemeldet, da es in den letzten Wochen einfach nichts Neues zu berichten gab. Und das gibt es auch jetzt nicht wirklich. Alles läuft wie immer, aber irgendwie fühle ich mich verpflichtet mal wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben.
Linda hat ihre Arbeitsstelle gewechselt. Vielleicht habe ich schon mal davon berichtet, als sie im Cheshire Home aufgehört hat, um in den Projekten der Diozöse mitzuhelfen. Sie fing bei den Projekten IAP (Intigratet Aids Programm) und CBR, ein Projekt für Menschen mit Behinderungen an. Da sie bei IAP neben 3 Krankenschwestern so gut wie keine Aufgabe hatte, hat sie sich letzte Woche bei diesem Projekt verabschiedet, um von nun an zwei Mal in der Woche mich im St. Anthony zu unterstützen. Darüber freue ich mich natürlich riesig. Einmal weil es schön ist mit Linda gemeinsam zu „arbeiten“ und zum anderen weil es zu zweit viel einfacher ist mit 130 Kindern etwas zu machen. Außerdem ist es zu zweit auch leichter sich bei den Frauen durchzusetzen Wir haben einige Ideen, die wir mit den Kindern in den nächsten Wochen umsetzten wollen. Gerade jetzt für die letzten Wochen ist das noch mal eine schöne Abwechslung für mich.
Eine schöne Abwechslung war es auch, als ich die letzten zwei Wochen drei Mal mit Linda in ihre Projekte gefahren bin. Außerdem hat mich auch Lindas neues „Arbeitsfeld“ interessiert. Zum einen habe ich sie einmal morgens nach Chifubu ins CBR begleitet, wo sie von nun an 3 Mal in der Woche bei der Physiotherapie für Kinder mit Behinderungen mithilft. Alles was ihnen dort an Therapiematerial zur Verfügung steht ist in Gymnastikball und selbstgebastelte Stühle aus Pappmaschee. Neben der Therapie gibt es dort eine Schulklasse für Kinder und Jugendliche mit geistiger und körperlicher Behinderung, sowie eine Schreinerei. Für eine halbe Stunde haben wir uns mit in die Klasse gesetzt, wo sie gerade Sexualkunde hatte und über das Thema Aids und Hygiene gesprochen haben.
Letzte Woche begleitete ich Linda zu ihren letzten Tag bei IAP. Man kann es sich wie eine mobile Klinik vorstellen. Ein Team aus 3 Krankenschwestern und einer Sozialarbeiterin fährt in die abgelegenen Compounds, um Menschen, die HIV infiziert oder aidskrank sind zu behandeln und mit Medikamenten zu versorgen. Sehr interessant aber auch schrecklich traurig war es, als wir uns zu dem Arzt (er kommt einmal in der Woche) ins „Behandlungszimmer“ setzten durften und er uns über die 4 verschieden Stadien von HIV aufgeklärt hat. Die Patienten bekommen bei IAP ihre Medikamente und auch etwas zu Essen, denn viele von den Dorfbewohnern können sich nicht mal das leisten. Es war schlimm zu sehen, wie krank diese Menschen teilweise sind und dann zu wissen, dass es ihnen erheblich besser gehen könnte, wenn es nur eine bessere Gesundheitsversorgung geben würde. Die Medikamente die sie bekommen, werden aus Indien gespendet. Viele der Patienten, wenn nicht sogar alle, haben von den Medis, die sie manchmal 3 Mal täglich einnehmen müssen, schwere Nebenwirkungen wie Durchfall oder Fieber. Letztendlich sterben sie oft nicht an der Infektion, sondern an den Nebenwirkungen der schlechten Tabletten. Das ist grausam, wenn man bedenkt, dass aidskranke Menschen bei uns aufgrund der besseren Medikamente eine nicht geringere Lebenserwartung haben als gesunde Menschen.
Nächstes Wochenende kommen Carsten und Susi zu uns nach Ndola. Es ist mal wieder ein verlängertes Wochenende und daher lohnt es sich für die beiden diese lange Busfahrt von Mpika auf sich zu nehmen.
Wir planen noch einen gemeinsamen Urlaub zu fünft in Livingstone, um uns noch mal die Viktoriafälle in der Trockenzeit anzuschauen. Das wird in der ersten Augustwoche passieren, da die drei Freiwilligen aus Mpika kurz darauf wieder nach Hause fliegen. Wenn sie jetzt am Wochenende kommen werden wir das alles weiter besprechen und planen können. Ich freu mich natürlich wie immer schon riesig auf all die kleinen Ausflüge. Sie sind etwas, auf das ich „hinarbeiten“ kann.
Letzte Woche Freitag war in ganz Sambia Stromausfall. Für 9 Stunden war ganz Sambia tot. Und das als Deutschland gespielt hat. Linda und ich sind absolut keine Footballfreaks aber an diesem Tag haben wir extra unseren Bembasprachkurs abgesagt, um uns das Spiel anzuschauen und ausgerechnet dann ging nichts. Einige Leute sagten uns, dass viele südafrikanischen Länder für die WM in Südafrika Strom sparen müssten, deshalb sei der Strom in ganz Sambia für 9 Stunden abgestellt worden. Als der Strom dann wieder da war, hat`s Festnetz nicht mehr funktioniert. Es stellte dich dann raus, dass der Gärtner beim Baumschneiden das Kabel durchgeschnitten hat. :-)
Wie ihr seht gibt es tatsächlich nichts Neues oder Interessantes aus Sambia. Von der Arbeit berichte ich euch heute mal nicht, denn das lässt den ganzen Blog immer so negativ erscheinen.
Mir geht’s gut und ich freu mich auf zu Hause :-)
Eure Franzi
Mal wieder habe ich mich längere Zeit nicht gemeldet, da es in den letzten Wochen einfach nichts Neues zu berichten gab. Und das gibt es auch jetzt nicht wirklich. Alles läuft wie immer, aber irgendwie fühle ich mich verpflichtet mal wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben.
Linda hat ihre Arbeitsstelle gewechselt. Vielleicht habe ich schon mal davon berichtet, als sie im Cheshire Home aufgehört hat, um in den Projekten der Diozöse mitzuhelfen. Sie fing bei den Projekten IAP (Intigratet Aids Programm) und CBR, ein Projekt für Menschen mit Behinderungen an. Da sie bei IAP neben 3 Krankenschwestern so gut wie keine Aufgabe hatte, hat sie sich letzte Woche bei diesem Projekt verabschiedet, um von nun an zwei Mal in der Woche mich im St. Anthony zu unterstützen. Darüber freue ich mich natürlich riesig. Einmal weil es schön ist mit Linda gemeinsam zu „arbeiten“ und zum anderen weil es zu zweit viel einfacher ist mit 130 Kindern etwas zu machen. Außerdem ist es zu zweit auch leichter sich bei den Frauen durchzusetzen Wir haben einige Ideen, die wir mit den Kindern in den nächsten Wochen umsetzten wollen. Gerade jetzt für die letzten Wochen ist das noch mal eine schöne Abwechslung für mich.
Eine schöne Abwechslung war es auch, als ich die letzten zwei Wochen drei Mal mit Linda in ihre Projekte gefahren bin. Außerdem hat mich auch Lindas neues „Arbeitsfeld“ interessiert. Zum einen habe ich sie einmal morgens nach Chifubu ins CBR begleitet, wo sie von nun an 3 Mal in der Woche bei der Physiotherapie für Kinder mit Behinderungen mithilft. Alles was ihnen dort an Therapiematerial zur Verfügung steht ist in Gymnastikball und selbstgebastelte Stühle aus Pappmaschee. Neben der Therapie gibt es dort eine Schulklasse für Kinder und Jugendliche mit geistiger und körperlicher Behinderung, sowie eine Schreinerei. Für eine halbe Stunde haben wir uns mit in die Klasse gesetzt, wo sie gerade Sexualkunde hatte und über das Thema Aids und Hygiene gesprochen haben.
Letzte Woche begleitete ich Linda zu ihren letzten Tag bei IAP. Man kann es sich wie eine mobile Klinik vorstellen. Ein Team aus 3 Krankenschwestern und einer Sozialarbeiterin fährt in die abgelegenen Compounds, um Menschen, die HIV infiziert oder aidskrank sind zu behandeln und mit Medikamenten zu versorgen. Sehr interessant aber auch schrecklich traurig war es, als wir uns zu dem Arzt (er kommt einmal in der Woche) ins „Behandlungszimmer“ setzten durften und er uns über die 4 verschieden Stadien von HIV aufgeklärt hat. Die Patienten bekommen bei IAP ihre Medikamente und auch etwas zu Essen, denn viele von den Dorfbewohnern können sich nicht mal das leisten. Es war schlimm zu sehen, wie krank diese Menschen teilweise sind und dann zu wissen, dass es ihnen erheblich besser gehen könnte, wenn es nur eine bessere Gesundheitsversorgung geben würde. Die Medikamente die sie bekommen, werden aus Indien gespendet. Viele der Patienten, wenn nicht sogar alle, haben von den Medis, die sie manchmal 3 Mal täglich einnehmen müssen, schwere Nebenwirkungen wie Durchfall oder Fieber. Letztendlich sterben sie oft nicht an der Infektion, sondern an den Nebenwirkungen der schlechten Tabletten. Das ist grausam, wenn man bedenkt, dass aidskranke Menschen bei uns aufgrund der besseren Medikamente eine nicht geringere Lebenserwartung haben als gesunde Menschen.
Nächstes Wochenende kommen Carsten und Susi zu uns nach Ndola. Es ist mal wieder ein verlängertes Wochenende und daher lohnt es sich für die beiden diese lange Busfahrt von Mpika auf sich zu nehmen.
Wir planen noch einen gemeinsamen Urlaub zu fünft in Livingstone, um uns noch mal die Viktoriafälle in der Trockenzeit anzuschauen. Das wird in der ersten Augustwoche passieren, da die drei Freiwilligen aus Mpika kurz darauf wieder nach Hause fliegen. Wenn sie jetzt am Wochenende kommen werden wir das alles weiter besprechen und planen können. Ich freu mich natürlich wie immer schon riesig auf all die kleinen Ausflüge. Sie sind etwas, auf das ich „hinarbeiten“ kann.
Letzte Woche Freitag war in ganz Sambia Stromausfall. Für 9 Stunden war ganz Sambia tot. Und das als Deutschland gespielt hat. Linda und ich sind absolut keine Footballfreaks aber an diesem Tag haben wir extra unseren Bembasprachkurs abgesagt, um uns das Spiel anzuschauen und ausgerechnet dann ging nichts. Einige Leute sagten uns, dass viele südafrikanischen Länder für die WM in Südafrika Strom sparen müssten, deshalb sei der Strom in ganz Sambia für 9 Stunden abgestellt worden. Als der Strom dann wieder da war, hat`s Festnetz nicht mehr funktioniert. Es stellte dich dann raus, dass der Gärtner beim Baumschneiden das Kabel durchgeschnitten hat. :-)
Wie ihr seht gibt es tatsächlich nichts Neues oder Interessantes aus Sambia. Von der Arbeit berichte ich euch heute mal nicht, denn das lässt den ganzen Blog immer so negativ erscheinen.
Mir geht’s gut und ich freu mich auf zu Hause :-)
Eure Franzi
Freitag, 11. Juni 2010
Freitag, 28. Mai 2010
Letzten Freitag kamen Susi und Franzi, nach nur 7 Stunden Fahrt, um 2:30Uhr in Masala in Ndola an. Unser gemeinsames Wochenende war „very very busy!“ Wir waren nur auf Achse!!! Da Dienstag „African Freedom day“ war, stand uns ein langes Wochenende zu viert bevor.
Samstagmorgen fuhren wir zum „shoppen“ nach Kitwe. Auf dem großen Sokone Market wurden wir alle- wie soll’s auch anders sein- fündig. Mit voll bepackten Tüten ging’s dann am Nachmittag zurück nach Ndola. Trotz des bevorstehenden Tagesausflugs am folgenden Tag, entschieden wir uns dazu abends noch in die Stadt zu fahren, um ein paar Mosi zu trinken.
Sonntag sind wir früh aufgebrochen. Linda und ich hatten für die Mädels einen Überraschungsausflug geplant. Es ging nach Chimfunshi- ein Waisenhaus für Schimpansen zwischen Chingola und Solwezi. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es nicht möglich dort hin zu kommen (weil es im tiefsten Busch liegt), deswegen hatten Linda und ich bisher nie die Möglichkeit gehabt, diesen Ort zu besuchen. Für einen Besuch in Chimfunshi brauchten wir also ein eigenes Auto. Hier an ein Auto zu kommen ist gar nicht so einfach. Sich ein Auto für einen Tag zu mieten ist in Ndola so teuer, wie man bei uns für eine Woche bezahlen würde. Nach langer Überlegung, kam uns die Idee, dass wir uns ein Auto von der Diozöse leihen könnten. Also sind Linda und ich in die Diozöse gelatscht, hatten ein nettes Gespräch mit dem Pfarrer und kurz darauf stand fest, dass wir das Auto inklusive Fahrer habe konnten. Wir vereinbarten, dass wir den Sprit, sowie den Fahrer für den Tag bezahlen würden. Somit war der Deal perfekt.
Pünktlich um 9Uhr ging es los. Nach drei Stunden grauenhafter Fahrt über unmögliche Straßen und Pisten erreichten wir Chimfunshi.
Das Chimfunshi Orphanage wurde 1983 von einer englischen Familie gegründet. Heute leben 111 Schimpansen auf der Chimfunshi- Farm und ein Hippo namens Billi. Die Schimpansen kommen zum größten Teil aus der Demokratischen Republik Kongo, aber auch aus Ruanda und Uganda. Aus Ländern, in denen immer noch Wilderer die Affenmütter töten, um die Babys an reiche Familien zu verkaufen, oder Einheimische, die auf das Affenfleisch aus sind, weil sie denken, wenn sie es essen, würden die Kräfte eines Affen auf den Menschen übertragen werden.
In Chimfunshi gibt es mittlerweile 4 Freigehege mit 250 Hektar Fläche und 15 Gewöhnungs- und Fütterungskäfige. Außerdem ein 14.000 Hektar großes Freigehege. Die Familie hat sogar ein Fordbildungszentrum für die Einheimischen erbauen lassen. Alles in Allem also sehr, sehr groß. Für uns alle war es sehr interessant dieses Waisenhaus für bedrohte Schimpansen zu besuchen.
Im Heim haben wir letzte Woche schon wieder 3 neue Kinder bekommen. Ein Zwillingspärchen, 7 Wochen. Die Oma hat die beiden Babys gebracht. Die geistig Behinderte Mutter hatte bereits 14 Kinder. Die Betonung liegt auf hatte, denn sie sind alle gestorben! Am selben Tag kam noch ein kleiner Junge, vielleicht gerade 2 Jahre alt. Er kam wie so viele Kinder, die zu uns kommen total unterernährt und musste am nächsten Tag sofort ins Krankenhaus. Heute kam wieder ein neues Baby. Georg, 9 Monate. Seine Mutter liegt im Krankenhaus im streben und scheinbar gibt es sonst niemanden, der sich um den Kleinen kümmern kann.
Seid dem Vorfall mit dem Jungen, der geschlagen wurde und dem wahnsinnigen Gespräch mit der Schwester letzte Woche ist es echt bisschen schwierig. Ich kann’s mir einfach nicht mehr mit ansehen. Ich hab nicht mehr so richtig viel Lust jeden Morgen dort hin zu gehen und alles hinnehmen zu müssen. Ehrlich gesagt bin ich in letzter Zeit einfach zu oft genervt von all dem hier. Von der Arbeit, von den Menschen auf der Arbeit, von den Sitten, von dem Verhalten der Sambier auf der Straße, alles. Die Luft ist einfach raus und es wird Zeit, dass ich nach Hause komme. Je näher der Abflug rückt, desto mehr freue ich mich auf zu Hause. Es dauert nicht mehr lange bis wir fliegen, doch ich hoffe echt, dass sich die nächsten Wochen nicht noch in die Länge ziehen. Um mich aufzubauen versuche ich jetzt in der letzten Zeit einfach noch mal das Schöne besonders wahrzunehmen, wie zum Beispiel mein heißgeliebter Sonnenuntergang, der Duft auf dem Markt, die bunten Farben auf der Straße, die süßen Kids, die sich freuen, wenn ich den Raum betrete. Das hilft, um mir bewusst zu machen, dass ich ja doch richtig hier bin.
Mir geht’s gut :-) und wie immer denk ich an euch. Eure Franzi
Samstagmorgen fuhren wir zum „shoppen“ nach Kitwe. Auf dem großen Sokone Market wurden wir alle- wie soll’s auch anders sein- fündig. Mit voll bepackten Tüten ging’s dann am Nachmittag zurück nach Ndola. Trotz des bevorstehenden Tagesausflugs am folgenden Tag, entschieden wir uns dazu abends noch in die Stadt zu fahren, um ein paar Mosi zu trinken.
Sonntag sind wir früh aufgebrochen. Linda und ich hatten für die Mädels einen Überraschungsausflug geplant. Es ging nach Chimfunshi- ein Waisenhaus für Schimpansen zwischen Chingola und Solwezi. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es nicht möglich dort hin zu kommen (weil es im tiefsten Busch liegt), deswegen hatten Linda und ich bisher nie die Möglichkeit gehabt, diesen Ort zu besuchen. Für einen Besuch in Chimfunshi brauchten wir also ein eigenes Auto. Hier an ein Auto zu kommen ist gar nicht so einfach. Sich ein Auto für einen Tag zu mieten ist in Ndola so teuer, wie man bei uns für eine Woche bezahlen würde. Nach langer Überlegung, kam uns die Idee, dass wir uns ein Auto von der Diozöse leihen könnten. Also sind Linda und ich in die Diozöse gelatscht, hatten ein nettes Gespräch mit dem Pfarrer und kurz darauf stand fest, dass wir das Auto inklusive Fahrer habe konnten. Wir vereinbarten, dass wir den Sprit, sowie den Fahrer für den Tag bezahlen würden. Somit war der Deal perfekt.
Pünktlich um 9Uhr ging es los. Nach drei Stunden grauenhafter Fahrt über unmögliche Straßen und Pisten erreichten wir Chimfunshi.
Das Chimfunshi Orphanage wurde 1983 von einer englischen Familie gegründet. Heute leben 111 Schimpansen auf der Chimfunshi- Farm und ein Hippo namens Billi. Die Schimpansen kommen zum größten Teil aus der Demokratischen Republik Kongo, aber auch aus Ruanda und Uganda. Aus Ländern, in denen immer noch Wilderer die Affenmütter töten, um die Babys an reiche Familien zu verkaufen, oder Einheimische, die auf das Affenfleisch aus sind, weil sie denken, wenn sie es essen, würden die Kräfte eines Affen auf den Menschen übertragen werden.
In Chimfunshi gibt es mittlerweile 4 Freigehege mit 250 Hektar Fläche und 15 Gewöhnungs- und Fütterungskäfige. Außerdem ein 14.000 Hektar großes Freigehege. Die Familie hat sogar ein Fordbildungszentrum für die Einheimischen erbauen lassen. Alles in Allem also sehr, sehr groß. Für uns alle war es sehr interessant dieses Waisenhaus für bedrohte Schimpansen zu besuchen.
Im Heim haben wir letzte Woche schon wieder 3 neue Kinder bekommen. Ein Zwillingspärchen, 7 Wochen. Die Oma hat die beiden Babys gebracht. Die geistig Behinderte Mutter hatte bereits 14 Kinder. Die Betonung liegt auf hatte, denn sie sind alle gestorben! Am selben Tag kam noch ein kleiner Junge, vielleicht gerade 2 Jahre alt. Er kam wie so viele Kinder, die zu uns kommen total unterernährt und musste am nächsten Tag sofort ins Krankenhaus. Heute kam wieder ein neues Baby. Georg, 9 Monate. Seine Mutter liegt im Krankenhaus im streben und scheinbar gibt es sonst niemanden, der sich um den Kleinen kümmern kann.
Seid dem Vorfall mit dem Jungen, der geschlagen wurde und dem wahnsinnigen Gespräch mit der Schwester letzte Woche ist es echt bisschen schwierig. Ich kann’s mir einfach nicht mehr mit ansehen. Ich hab nicht mehr so richtig viel Lust jeden Morgen dort hin zu gehen und alles hinnehmen zu müssen. Ehrlich gesagt bin ich in letzter Zeit einfach zu oft genervt von all dem hier. Von der Arbeit, von den Menschen auf der Arbeit, von den Sitten, von dem Verhalten der Sambier auf der Straße, alles. Die Luft ist einfach raus und es wird Zeit, dass ich nach Hause komme. Je näher der Abflug rückt, desto mehr freue ich mich auf zu Hause. Es dauert nicht mehr lange bis wir fliegen, doch ich hoffe echt, dass sich die nächsten Wochen nicht noch in die Länge ziehen. Um mich aufzubauen versuche ich jetzt in der letzten Zeit einfach noch mal das Schöne besonders wahrzunehmen, wie zum Beispiel mein heißgeliebter Sonnenuntergang, der Duft auf dem Markt, die bunten Farben auf der Straße, die süßen Kids, die sich freuen, wenn ich den Raum betrete. Das hilft, um mir bewusst zu machen, dass ich ja doch richtig hier bin.
Mir geht’s gut :-) und wie immer denk ich an euch. Eure Franzi
Dienstag, 18. Mai 2010
„Man ist nicht nur für das verantwortlich was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.“
Von meiner Arbeit zu berichten wird euch sicher langsam langweilen. Ich weiß, es nervt mich selbst, denn es kommen ja doch nur immer wieder die gleichen schlechten Nachrichten.
Gestern habe ich wieder einmal beobachtet, wie drei Frauen einen Jungen auf der Wiese, vor meinem Wohnzimmerfenster, mit einem Schuh verdroschen haben. Der Junge war nackt, ich vermutete, dass er sich nicht anziehen lassen wollte. Sepiso ist geistig Behindert und liebt es nackt auf der Wiese zu sitzen. Sie haben immer wieder auf ihn draufgehauen, haben ihn an Armen und Beinen gezogen und an einen Wellblechzaun geworfen. Als er sich nicht mehr werte, hat ihn eine Frau mehr als grob angezogen. Als sie fertig war, schlug sie ihm noch einmal so feste gegen den Rücken, dass er vornüber fiel. Er stand auf und rannte auf die andere Seite des Hauses. Die Frauen, und nicht nur die, die ihn schlugen, sondern auch die, die drum herum standen und zusahen, fingen an zu lachen. Es schien, als sei es wahnsinnig witzig und unterhaltsam für sie gewesen.
Ich stand fassungslos an meinem Fenster und konnte nicht glauben, was ich da sah.
Ich fühlte mich schlecht, weil ich nichts unternommen hatte, um die Hexen zu stoppen. Was hätte ich tun sollen?
Meine Mittagspause war vorbei und ich ging Widerwillens zurück zu den Kindern. Als ich genug Mut gefasst hatte, sprach ich eine der Frauen an, die den Jungen geschlagen hatte. Fragte sie nach dem Warum. Ich weiß, dass sie eine von den Frauen ist, die wenigstens etwas Englisch sprechen kann. Oft genug schon, habe ich mich mit ihr unterhalten. Jetzt tat sie allerdings so, als könnte sie sich nicht ausdrücken. Als ich mich einige Meter von ihr entfernt hatte, rief sie die beiden anderen Frauen zu sich. Aus ihrer Mimik und Gestik heraus konnte ich genauestens verstehen, vorüber sie sich lustig machten. Über mich. Ich ging wieder hin. Fragte eine Andere, warum sie Sepiso geschlagen haben. Eine „englischsprachige“ Frau antwortete mir und begründete die Misshandlung (Ja, ich nenne es Misshandlung, weil es Misshandlung war!) damit, dass der Junge sich nicht anziehen lassen wollte. Die anderen beiden Frauen standen daneben und lachten mich aus. Ich musste mich ziemlich zusammenreißen. Ich konnte das nicht glauben. Ich meine, ich bin ja inzwischen schon einiges gewöhnt von hier, aber das war zu viel. Alles was ich noch sagen konnte war, dass das kein Grund ist ein Kind zu schlagen und dass es erstrecht nicht lustig ist. Ich drehte mich um und ging.
Kurze Zeit später kam die deutsche Schwester ins Heim. Wieder fasste ich all meinen Mut fassen und sprach sie direkt auf diesen Vorfall an. „Er ist ein schwieriger Junge!“ sagte sie. Auf meine Frage, ob sie das damit entschuldigen würde, sagte sie, das dies sambische Art sei und nur das bei den Kindern ziehen würde! Diese Kinder hier in Sambia seinen anders, als die Deutschen. Das ist krass, aber was mich am meisten schockte war, dass sie sagte, dass sie diese Kinder (die geistig behinderten Kinder) eigentlich gar nicht hier haben wollte.
Dieses Gespräch mit der Schwester, war alles was ich tun konnte. Bisher hatte ich nie den Mut gehabt, sie direkt darauf anzusprechen. Vielleicht weil ich wusste, dass auch sie die Frauen nicht ändern könnte. Aber, dass sie so reagiert und mit solch einer Abgebrühtheit darüber dachte und sprach schockierte mich.
Erstrecht hatte ich bisher nie den Mut gehabt, die Frauen darauf anzusprechen. Ich wusste, dass sie mich auslachen würden, dass sie meine Sicht der Dinge überhaupt nicht nachvollziehen könnten. Am meisten Sorge hatte ich aber immer, dass ich mich mit solch einem Gespräch nur noch unbeliebter machen würde. Das hätte mir meinen Dienst hier nur noch mehr erschwert. Tja, wenn’s das nur ist, konnte ich das nun leicht auf mich nehmen und jetzt habe ich es wohl auch geschafft. Aber soll ich euch mal was sagen: Es ist mir scheiß egal, denn was ändert das schon groß!?
Das war ein Scheißtag! Meine letzten Hoffnungen, die ich in die deutsche Schwester gelegt hatte, wurden zerstört. Jetzt heißt es wirklich nur noch `hinnehmen wie es ist’. Die nächsten 11 Wochen werde ich auch noch schaffen.
Im Moment arbeite ich auf das kommende Wochenende hin. Susi und Franzi werden in Ndola vorbeischauen. Freitagnacht kommen sie an. Eigentlich war geplant, dass Carsten mitkommt, aber der musste leider abgesagt. Dienstag ist „afrikan freedom day“ und wenn ich mich nicht irre, dann ist Montag „farmersday“. Da beides Feiertage sind, steht uns ein langes Wochenende zu viert bevor. Das ist super, auch wenn ich etwas traurig bin, dass Carsten nicht mit dabei sein wird. Es sollte noch einmal ein letztes gemeinsames Wochenende in Sambia werden, bevor die drei bald abreisen.
Die Stadtmäuse haben eigens vor mit den Buschmäusen Was genau wir vorhaben ist aber noch eine Überraschung für die beiden, deswegen kann ich hier jetzt nichts Genaueres erzählen. Ist ja schließlich alles öffentlich hier
Ich denk’ wie immer an euch!!!
@ Stefanie: Bedenico kann lachen. Und wie! Dabei gibt er sogar richtige Geräusche von sich. Ich lade dir mal das Bild hoch. Unglaublich, wahrscheinlich erkennst du ihn gar nicht mehr wieder. Ein völlig anderer Junge
Von meiner Arbeit zu berichten wird euch sicher langsam langweilen. Ich weiß, es nervt mich selbst, denn es kommen ja doch nur immer wieder die gleichen schlechten Nachrichten.
Gestern habe ich wieder einmal beobachtet, wie drei Frauen einen Jungen auf der Wiese, vor meinem Wohnzimmerfenster, mit einem Schuh verdroschen haben. Der Junge war nackt, ich vermutete, dass er sich nicht anziehen lassen wollte. Sepiso ist geistig Behindert und liebt es nackt auf der Wiese zu sitzen. Sie haben immer wieder auf ihn draufgehauen, haben ihn an Armen und Beinen gezogen und an einen Wellblechzaun geworfen. Als er sich nicht mehr werte, hat ihn eine Frau mehr als grob angezogen. Als sie fertig war, schlug sie ihm noch einmal so feste gegen den Rücken, dass er vornüber fiel. Er stand auf und rannte auf die andere Seite des Hauses. Die Frauen, und nicht nur die, die ihn schlugen, sondern auch die, die drum herum standen und zusahen, fingen an zu lachen. Es schien, als sei es wahnsinnig witzig und unterhaltsam für sie gewesen.
Ich stand fassungslos an meinem Fenster und konnte nicht glauben, was ich da sah.
Ich fühlte mich schlecht, weil ich nichts unternommen hatte, um die Hexen zu stoppen. Was hätte ich tun sollen?
Meine Mittagspause war vorbei und ich ging Widerwillens zurück zu den Kindern. Als ich genug Mut gefasst hatte, sprach ich eine der Frauen an, die den Jungen geschlagen hatte. Fragte sie nach dem Warum. Ich weiß, dass sie eine von den Frauen ist, die wenigstens etwas Englisch sprechen kann. Oft genug schon, habe ich mich mit ihr unterhalten. Jetzt tat sie allerdings so, als könnte sie sich nicht ausdrücken. Als ich mich einige Meter von ihr entfernt hatte, rief sie die beiden anderen Frauen zu sich. Aus ihrer Mimik und Gestik heraus konnte ich genauestens verstehen, vorüber sie sich lustig machten. Über mich. Ich ging wieder hin. Fragte eine Andere, warum sie Sepiso geschlagen haben. Eine „englischsprachige“ Frau antwortete mir und begründete die Misshandlung (Ja, ich nenne es Misshandlung, weil es Misshandlung war!) damit, dass der Junge sich nicht anziehen lassen wollte. Die anderen beiden Frauen standen daneben und lachten mich aus. Ich musste mich ziemlich zusammenreißen. Ich konnte das nicht glauben. Ich meine, ich bin ja inzwischen schon einiges gewöhnt von hier, aber das war zu viel. Alles was ich noch sagen konnte war, dass das kein Grund ist ein Kind zu schlagen und dass es erstrecht nicht lustig ist. Ich drehte mich um und ging.
Kurze Zeit später kam die deutsche Schwester ins Heim. Wieder fasste ich all meinen Mut fassen und sprach sie direkt auf diesen Vorfall an. „Er ist ein schwieriger Junge!“ sagte sie. Auf meine Frage, ob sie das damit entschuldigen würde, sagte sie, das dies sambische Art sei und nur das bei den Kindern ziehen würde! Diese Kinder hier in Sambia seinen anders, als die Deutschen. Das ist krass, aber was mich am meisten schockte war, dass sie sagte, dass sie diese Kinder (die geistig behinderten Kinder) eigentlich gar nicht hier haben wollte.
Dieses Gespräch mit der Schwester, war alles was ich tun konnte. Bisher hatte ich nie den Mut gehabt, sie direkt darauf anzusprechen. Vielleicht weil ich wusste, dass auch sie die Frauen nicht ändern könnte. Aber, dass sie so reagiert und mit solch einer Abgebrühtheit darüber dachte und sprach schockierte mich.
Erstrecht hatte ich bisher nie den Mut gehabt, die Frauen darauf anzusprechen. Ich wusste, dass sie mich auslachen würden, dass sie meine Sicht der Dinge überhaupt nicht nachvollziehen könnten. Am meisten Sorge hatte ich aber immer, dass ich mich mit solch einem Gespräch nur noch unbeliebter machen würde. Das hätte mir meinen Dienst hier nur noch mehr erschwert. Tja, wenn’s das nur ist, konnte ich das nun leicht auf mich nehmen und jetzt habe ich es wohl auch geschafft. Aber soll ich euch mal was sagen: Es ist mir scheiß egal, denn was ändert das schon groß!?
Das war ein Scheißtag! Meine letzten Hoffnungen, die ich in die deutsche Schwester gelegt hatte, wurden zerstört. Jetzt heißt es wirklich nur noch `hinnehmen wie es ist’. Die nächsten 11 Wochen werde ich auch noch schaffen.
Im Moment arbeite ich auf das kommende Wochenende hin. Susi und Franzi werden in Ndola vorbeischauen. Freitagnacht kommen sie an. Eigentlich war geplant, dass Carsten mitkommt, aber der musste leider abgesagt. Dienstag ist „afrikan freedom day“ und wenn ich mich nicht irre, dann ist Montag „farmersday“. Da beides Feiertage sind, steht uns ein langes Wochenende zu viert bevor. Das ist super, auch wenn ich etwas traurig bin, dass Carsten nicht mit dabei sein wird. Es sollte noch einmal ein letztes gemeinsames Wochenende in Sambia werden, bevor die drei bald abreisen.
Die Stadtmäuse haben eigens vor mit den Buschmäusen Was genau wir vorhaben ist aber noch eine Überraschung für die beiden, deswegen kann ich hier jetzt nichts Genaueres erzählen. Ist ja schließlich alles öffentlich hier
Ich denk’ wie immer an euch!!!
@ Stefanie: Bedenico kann lachen. Und wie! Dabei gibt er sogar richtige Geräusche von sich. Ich lade dir mal das Bild hoch. Unglaublich, wahrscheinlich erkennst du ihn gar nicht mehr wieder. Ein völlig anderer Junge
Donnerstag, 13. Mai 2010
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