Mittwoch, 25. August 2010

So ihr lieben daheimgebliebenen :-)
Dies ist mein letzter Eintrag aus Sambia. Übermorgen um 11Uhr machen wir uns auf den Weg an den Flughafen. Um 13Uhr geht der Flieger nach Johannesburg, von dort aus gehts weiter nach Frankfurt. Nach 15 Stunden Flug werde ich dann endlich zu Hause ankommen. Ich freu mich so sehr auf euch alle.
Letzte sonnige Grüße aus dem schönen Sambia
TWALAMONANA (See you!!!)
Eure Franzi

Samstag, 21. August 2010

Abschiedsstimmung
Muli shani bwonse?
Wie geht es euch allen?

So langsam wird es richtig erst. Unsere Nachfolger sind da, die Koffer sind gepackt, denn ich musste gestern für die letzte Woche noch einmal zu Linda ziehen. Im Heim kommen irgendwelche Sponsoren aus den USA. Da musste ich natürlich Platz machen. Somit hatte ich am Donnerstag meinen letzten Tag im Heim.

Der Abschied von meinen Babys fiel mir schwer. Ich hatte nicht erwartet, dass es mich doch so emotional mitnimmt. Schon in den letzten Tagen stimmte mich der Gedanke daran, von meinen kleinen Schützlingen Abschied nehmen zu müssen, sehr traurig. Ich muss gestehen, einige Tränchen wurden vergossen. Es macht mich einfach unglaublich traurig zu wissen, dass der gewohnte Trott einkehren wird, sobald ich wieder in Deutschland bin. Ich werde nichts mehr tun können. Ich werde zu Hause sitzen und wissen, dass es den Kleinen schlecht geht, weil sie niemanden mehr haben werden, der sich um sie kümmert. Es wird niemand mehr da sein, der sie tröstet, wenn sie weinen, niemand, der sie aus den Bettchen holt, sie in die Schaukel setzt, mit ihnen spielt und lacht. Niemand, der ihnen auch mal außerhalb der Essenszeiten Wasser gibt, oder der sieht dass sie krank sind. Es ist ein scheiß Gefühl, welches ich echt unterschätzt habe.

Als ich vor 8 Monaten ins St. Anthonys kam, lagen viele der Kinder- sehr viele- einfach nur passiv in ihren Bettchen. Zeigten keine Regung, wenn ich sie angesprochen habe, starrten nur in eine Richtung, ohne den Blick abzuwenden. Einige konnten nicht mal weinen. Sie haben einfach keinerlei Gefühlsregung von sich gegeben. Nach meiner Einschätzung zeig(t)en sogar einige erste Anzeichen von Hospitalismus. Erst in den letzten Wochen ist mir bewusst geworden, dass ich in den letzten Monaten doch etwas geleistet habe. Viele Kinder haben sich prächtig entwickelt. Sie lachen und weinen, spielen (manchmal sogar zusammen), blubbern irgendetwas vor sich her, haben keine Berührungsängste und verhalten sich einfach wie ganz normale Kinder. Leider habe ich die Befürchtung, dass sie wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurückfallen, wenn ich nicht mehr da bin.
Ich freue mich deshalb total, dass Dana (eine neue Freiwillige von Misserior) sich bereit erklärt hat, 3 Mal in der Woche ins Heim zu kommen, um sich um die Kinder zu kümmern. Eigentlich ist sie von ihrer Organisation in einem ganz anderen Feld eingesetzt worden. Da sie aber an den Nachmittagen Zeit hat und die Zustände im St. Anthonys bereits gesehen hat, hat sie sich dazu entschieden. Über sie werde ich also auf dem Laufenden bleiben, was mir meinen Abschied wiederum etwas einfacher gemacht hat.
Auf eine große Abschiedsszene habe ich verzichtet. An meinem letzten Tag habe ich einfach noch mal Zeit mit meinen Liebsten verbracht und eine Runde Bananen, Schokolade und Wasser geschmissen. Die Kids haben sich gefreut und das hat mich gefreut.

Von dem restlichen Geld, was mir meine liebe Tante mal gespendet hat, habe ich dann zum Abschied noch einiges an Babyzubehör gekauft. Für ca. 100Euro konnte ich Windeln, Puder, Bodys, Rasseln und einige andere Klamotten für die Kids kaufen. Ich dachte, dass es einfach nützliche Dinge für sie sind, die sie gut gebrauchen können. Meine eigenen Klamotten und Schuhe, die nach einem Jahr Handwäsche durchlöchert und ausgewaschen sind habe ich auch da gelassen. Sie haben sich natürlich gefreut.
Meinem Schneider, der mir zum Abschied noch einen wunderschönen Rock genäht hat, habe ich mein altes Handy geschenkt. Der war völlig aus dem Häuschen.

Tja, die Tage sind gezählt. Wahnsinn, im Moment ist es doch noch sehr unrealistisch, dass ich nächste Woche um diese Zeit bereits zu Hause bin. Trotzdem bin ich schon etwas nervös und aufgeregt. Mein Jahr in Sambia neigt sich nun dem Ende und schon ganz bald wird es nur noch eine wunderschöne Erinnerung sein.

Wenn man mich fragen würde, was mir am meisten fehlen wird, dann würde ich natürlich „den afrikanischen Sonnenuntergang“ antworten. Aber auch die Gerüche und das Treiben auf dem Markt, die Gelassenheit und Freundlichkeit der Menschen und die Tatsache, dass die Uhren hier in Sambia einfach anders ticken, das leckerer Obst und Gemüse, das viele Grün, die Sonne. Wie ich euch bereits versucht habe zu erklären, wird es einfach ein ganz besonderes Lebensgefühl sein, welches mir wohl am meisten fehlen wird. Ich befürchte ich werde viel zu viel vermissen.
Würde man mich fragen, auf was ich mich zu Hause am meisten freue, dann fallen mir auch einige Dinge ein. Zum Beispiel freue ich mich wahnsinnig auf eine Waschmaschine. Tür auf, Wäsche rein, Tür zu, Fertig! Ich freue mich auf Roggen- und Körnerbrötchen, echten Käse, echten Kaffe, echte Butter, echten Rotwein, Wasser mit Kohlensäure, oder eine kalte Apfelschorle. Ich werde es genießen einfach Duschen gehen zu können wann immer ich will und nicht mehr auf Wasser warten zu müssen, oder mir Wasser in Eimern ins Bad schleppen zu müssen. Am meisten freue ich mich jedoch auf meine Freiheit. Auto fahren, ausgehen, oder abends ohne große Gefahr nach Hause laufen zu können. Außerdem werde ich meine Anonymität wieder finden. Ich kann ganz gelassen und entspannt durch Limburg laufen, wie jeder andere auch. Werde nicht angestarrt, mir wird nicht Muzungu hinterher gerufen, keiner bettelt mich an, oder will mich sofort heiraten nur weil ich weiß bin. Ich werde einfach wieder Eine von ganz vielen sein. Darauf freue ich mich!!!

Vielleicht melde ich mich noch einmal vor meiner Abreise. In den nächsten Tagen ist noch einmal volles Programm angesagt. Linda und ich fahren nach Kitwe zu meiner alten Gastfamilie, um ein letztes Mal Lasagne für sie zu kochen und Tschüss zu sagen. Auch das wird sehr traurig werden. In den letzten Monaten, in denen ich nicht mehr bei ihnen gewohnt habe, hatten wir trotzdem immer regelmäßigen Kontakt. Mrs. Shula war es immer wichtig zu wissen wie es uns geht. Letzte Woche hat sie mich sogar hier in meinem zu Hause in Ndoal besucht.
Außerdem steht noch eine Abschiedsparty für Linda und mich an, zu der 30 Leute eingeladen sind. Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Menschen hier kenne.
Gestern hatten wir unser letztes Meeting mit unseren Mentoren, bei dem wir unseren Abschlussreport vorstellen mussten.

Ich freue mich unglaublich euch alle nach diesem Jahr wieder zu sehen!!! Ich hoffe ihr habt nicht vergessen euch den 4.9. ganz dick im Kalender anzustreichen.

Ich denke an euch, eure Franzi

Sonntag, 8. August 2010

Livingstone die Zweite
Hallo ihr lieben, ich erzähle euch jetzt von unserer gelungenen letzten Reise in Sambia.

Am Samstagabend erreichten wir, Susi, Cordelia, Linda und ich, nach einer 12-stündigen Busfahrt unser Ziel Livingstone. Noch am darauffolgenden Tag waren wir so müde, dass wir die meiste Zeit des Tages am Pool unsere Backpacker Lodge „Jollyboys“ verbrachten. Den Tag ließen wir am Abend in einem italienschen Restaurant ausklingen. Das war soooooooooo… gut. Echte italienische Pizza!!!

Das volle Touriprogramm fing dann jedoch gleich am Montag an. Susi, Cordelia und Linda starteten sehr früh am morgen nach Botswana, um dort im bekannten Chobe Nationalpark eine Safari zu machen. Da ich diese Safari bereits im April mit Carsten und Ute unternommen hatte, konnte ich mir bis zum Nachmittag die Zeit am Pool vertreiben.
Um 15Uhr wurde ich dann von einem Bus einer Reiseagentur abgeholt, die mich zu einem Hotel am Sambesi brachte. Von dort aus startete ein Boot für den Sunset – Cruise. Diese Sonnenuntergangstour auf dem Sambesi habe ich schon lange geplant. Sie sollte mein ganz persönlicher Abschied von Sambia werden. Eigentlich total bescheuert, dass ich für das Anschauen des Sonnenuntergangs Geld ausgebe, aber wie ihr vielleicht im Laufe der letzten Monate bemerkt habt, liebe ich es der afrikanischen Sonne beim Untergehen zuzuschauen und deswegen war es mir das Geld wert. Ganz so, wie ich mir diese Tour jedoch vorgestellt habe, nämlich dass ich mich auf dem Boot einfach in eine Ecke verziehe, mir meine Musik aufs Ohr setzte und den Anblick genieße, war es leider nicht. Das Boot war gerammelt voll, unter anderem mit vielen jungen Leuten, die es ausnutzen, dass es freie, alkoholische Getränke gab. Aufgrund dessen war die Tour weniger gemütlich, wie ich es mir erhofft hatte. Außerdem waren zu viele deutsche auf dem Boot. Eine Reisegruppe von mehreren älteren deutschen Damen, die sich einfach zu Deutsch verhalten haben. Muss ich jetzt nicht näher drauf eingehen.
Aber gut, wie der Zufall es wollte, habe ich erst Inga, eine alleinreisende, 31-jährige Anthropologin aus Lettland und Matt, einen alleinreisenden, 34- jährigen Arzt aus England kennengelernt. Alle drei waren wir alleine aufs Boot gekommen und sind gemeinsam wieder gegangen. Die beiden waren wirklich sehr nett, wir haben uns gut unterhalten und gemeinsam den Sonnenuntergang bestaunt. Aufgrund der Partystimmung, die auf dem Boot herrschte, war ich über ihre Bekanntschaft an diesem Abend sehr glücklich.
Das Geld hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn wann sehe ich schon mal die afrikanische Sonne über dem Sambesi untergehen. Es war wunderbar!!! Ein Anblick, der mich immer wieder fasziniert, wenn der glutrote Ball am Horizont verschwindet und den Himmel in den verschiedensten Tönen verfärbt. Wie ich das vermissen werde… Ganz nebenbei konnten wir dann noch Krokodile und Hippos am Flussufer beobachten. Alles in Allem ein voller Erfolg.

Dienstag standen die Viktoriafälle auf dem Programm. Als wir im April dort waren, waren die Fälle aufgrund der Regenzeit so sehr mit Wasser gefüllt, dass man wegen der aufsteigenden Gicht kaum einen Blick auf die Wasserfälle hatte.
Das war letzte Woche bei unserem zweiten Besuch anders. Schon im April war es trotz alle dem ein wahnsinns Anblick. Doch jetzt, wo man wirklich fast einen vollständigen Blick auf die Fälle hatte, war es nur noch gigantisch. RIEßIG! Ich kann euch das gar nicht beschrieben. Schaut einfach selbst auf den Fotos (wobei diese wieder mal nicht das widerspiegeln, was ich euch eigentlich zeigen wollte).
Am Abend hieß es auch schon wieder Abschied nehmen, denn Cordelia und Susi traten am nächsten Morgen ihre Rückreise an. Susi nach Lusaka, da sie am Freitag ihre Heimreise angetreten ist, und Cordelia fuhr zurück nach Ndola, da sie von dort aus am Freitag zurück in die Schweiz geflogen ist.

Mittwoch stand dann endlich Lindas und mein großes Highlight an. Seit Monaten haben wir uns darauf gefreut. Am Donnerstagnachmittag sind wir auf einem Elefanten durch den Mosi – O – Tunya Nationalpark geritten. Unser Elefant hieß Bop, und war mit einer Höhe von 3 Metern der größte. Linda und ich saßen gemeinsam mit dem Elefantenführer Anthony auf dem Rücken von Bop. Nachdem wir etwas unbeholfen auf dem Rücken des Elefanten Platz genommen hatten, wurde uns bisschen zu spät gesagt, dass sich Bop jetzt erhebt und Linda wäre beinahe hinten runter gefallen. Als es los ging hatten wir beide mächtigen Respekt vor der Höhe und vor Bop!!! In einer Karawane von 6 ausgewachsenen Elefanten und 3 Babyelefanten zogen wir durch den Busch, durchquerten einen Fluss und marschierten wieder zurück. Unser lieber Bop war nicht nur dickhäutig, sonders auch dickköpfig. Wir trabten während der ganzen Tour immer als letzte hinterher. Bop ging nicht wie die anderen den üblichen Pfad. Nein, er war hungrig, stapfte einfach querfeldein und trampelte jeden Busch und jeden Baum platt, der ihm im Weg stand. Sein kleines Baby Nandy trottete während dessen immer neben uns her.
Es war ein super schönes Erlebnis auf einem Elefanten durch die Wildnis zu reiten und auch hier hat sich das viele Geld auf jeden Fall gelohnt. Ein gelungener Abschied aus Sambia!

Am Donnerstag, unserem letzten Urlaubstag, relaxten Linda und ich noch ein letztes Mal am Pool. Wir machten einfach nichts, genossen das super Wetter und einen Gin Tonic.

Das war unsere letztere Urlaubsreise in Sambia. Wir mussten wieder unendlich lange und unbequeme Busfahrten auf uns nehmen (man könnte meinen wir seinen es mittlerweile gewöhnt – das sind wir nicht!) aber das haben wir wie immer auf uns genommen, denn wir wussten ja, dass wir dafür mit ein paar tolle gemeinsame Urlaubstage und noch schöneren Erlebnissen belohnt werden.

Unsere Freunde aus Mpika, Susi, Carsten und Franzi, sind seit gestern wieder in der Heimat. Ich hab total mit ihnen mitgefiebert und war mindestens genauso aufgeregt wie sie, als es am Freitag für sie los ging. Wahnsinn.

Ich habe jetzt noch 3 Wochen in Sambia. 3 Wochen, in denen nun noch einiges ansteht. Diese Woche kamen zwei Freiwillige von Miserio, die Linda und ich etwas in Ndola einführen wollen. Nächste Woche kommen unsere Nachfolger von der Diozöse, Judith und Tobias, auch die werden wir etwas in ihre neue Umgebung einführen. Mir ist es besonders wichtig, dass ich Judith das St. Anthonys vorstelle. Sie wird hier meine Nachfolgerin sein. Ich möchte ihr einfach ein paar Dinge zeigen, ihr erklären wie es hier läuft, sie vorbereiten, vorstellen. Einfach das tun, was ich mir zu Beginn gewünscht hätte, aber niemand getan hat. Unser Mentor Patrick hat ein kleines Programm geplant, bei dem er uns dabei haben möchte. Eine Abschiedsfeier ist geplant und Linda und ich werden noch einmal für ein Wochenende zu meiner Gastfamilie Shula nach Kitwe ziehen, um Tschüß zu sagen. Das wird sehr traurig. Über all die letzten Monate, wo ich nicht mehr bei ihnen gewohnt habe, standen wir doch immer im Kontakt.

Eigentlich habe ich erwartet, dass sich die letzten Wochen vor dem Abflug noch mal richtig ziehen. Das ist überhaupt nicht der Fall. Die Zeit rast wie nie zuvor. Ich freue mich auf zu Hause, auf Alles und auf Jeden. Das überwiegt ganz klar. Aber in den letzten Tagen, gerade dann, wenn ich mich von liebgewonnen Menschen verabschieden muss, wächst die Wehmut, dass bald alles nur noch eine wunderschöne Erinnerung ist.

Soweit ist es aber noch nicht. Ein- zwei Mal werde ich mich hier wohl noch melden, bevor ich euch dann wieder sehe.

Ich denke wie immer an euch, eure Franzi

@ Susi, Carsten & Franzi: Shani shani? Wie fühlt es sich an wieder zu Hause zu sein? Geht’s euch gut? Meldet euch!!! Ich denke so viel an euch.

Freitag, 30. Juli 2010

Lake Tanganjika
Freitagnacht erreichte ich gegen 1 Uhr, nach einer 8-stündigen Busfahrt Mpika. Nachdem Carsten mich an der Busstation abholte, wir noch gemütlich 2 Mosi tranken und uns über die letzten Wochen austauschten, durfte ich auf der Couch des Freiwilligenhauses übernachten.

Am nächsten Morgen gings dann früh los. Das Gepäck wurde aufs Dach des kleinen Daihatsu Rocky gepackt. Als alles gut verstaut war, machten wir (Carsten, Susi, Andi, JB und ich) uns auf den Weg Richtung Mpulungu. Auf dem Weg dorthin sammelten wir nach ca. einer Stunde Fahrt Franzi an der Kreuzung zu Chalabesa ein. Dort wartete sie bereits auf uns. Jetzt waren wir komplett und voller Vorfreude auf unser letztes, gemeinsames Wochenende in Sambia. Kurz nach Kasama legten wir einen kleinen Zwischenstopp ein, um Rast zu machen. Leider war uns nicht bewusst, dass wir direkt vor einem Village Halt machten. Viele Kinder kamen herbeigestürmt um die 6 Muzungus in dem kleinen Auto zu bestaunen.
Nach einer 6-stündigen, anstrengenden und unbequemen Fahrt erreichten wir planmäßig die kleine Hafenstadt Mpulungu am Lake Tanganjika.

Der Hafen in Mpulungu ist übrigens der einzige in Sambia. Der Tanganjikasee ist bis zu 1395m tief und nimmt eine Fläche von fast 34000 km/2 ein. Mit einer Länge von fast 700 km (das entspricht der Entfernung von Berlin nach München!) ist er der längste See der Welt. Der Tanganjikasee ist nach dem Viktoriasee der 2. größte See Afrikas und zugleich der siebtgrößte der Welt. Wenn man nur von seiner Wassermasse ausgeht, dann ist er aufgrund seiner Tiefe der größte See der Welt.

Nachdem wir in unsere Unterkunft eincheckten, die aus kleinen Hütten mit Grasdächern bestand, erkundeten wir an unserem ersten Abend nur noch den Markt am Seeufer. Nach dieser anstrengenden Autofahrt wurden wir bei unserem Marktbesuch mit dem fantastischen Anblick der untergehenden Sonne belohnt.

Am folgenden Tag machten wir uns sehr früh auf den Weg nach Isaga Bay. Mit dem Motorboot gings 30 Minuten über den See bis wir den kleinen Privatstrand erreichten. Dort verbrachten wir den ganzen Tag, was wirklich eine Leichtigkeit war, denn es war traumhaft schön und zudem waren wir die einzigen Gäste. Die junge, 7-köpfige Familie, die diese kleine Anlage als Urlaubsvertretung leitete, hieß uns super herzlich willkommen. Wir gestalteten den Tag so, indem wir am See relaxten, einige gingen Schnorcheln, wir hörten Musik, wir lachten viel und genehmigten uns das ein oder andere Safari. So vergingen die Stunden. Und nachdem wir ein super Lunch serviert bekommen haben, wurden wir am späten Nachmittag mit dem Motorboot wieder zurück nach Mpulungu gefahren. Während der Fahrt über den See durften wir uns dann wieder ein Mal das Untergehen der afrikanischen Sonne ansehen.

An unserem letzten Tag, am Montag machten wir uns wieder früh auf den Weg, um uns die Kalambo Falls anzuschauen. Diese liegen unmittelbar an der Grenze zu Tansania und sind ca. 36km von Mbala entfernt. Von Mpulungu bis nach Mbala fuhren wir mit dem Auto ca. 45 Minuten über die feste Straße. Von dort aus ging es dann leider nur noch 36km über die Piste. Mit 6 Personen in dem kleinen Auto war das echt eine Zumutung! Aber gut… wir wurden belohnt. Nach einer 2 ½ -stündigen Fahrt und einem 30-minütigen Marsch durch das sambische Hinterland erreichten wir die Fälle. 221 Meter stürzt der Kalambo in eine schmale Schlucht und strömt 8 km in den Tanganjikasee. Die Kalambo Falls sind doppelt so hoch wie die Viktoriafälle in Livingstone, gelten als die zweithöchsten Wasserfälle Afrikas und die zwölfhöchsten der Welt. Von der Oberkante des Wasserfalls hatten wir an verschiedenen Aussichtspunkten einen gigantischen Blick auf die Fälle und das benachbarte Tansania. Der Ausblick war atemberaubend. Die vielen Fotos, die wir gemacht haben spiegeln diesen wahnsinnig tollen Anblick leider nicht so wieder, wie es war. Trotzdem habe ich euch einige Fotos hochgeladen, sodass ihr eine kleine Vorstellung davon bekommt, wie schön es war.

Damit war unser Kurztrip in den hohen Norden Sambias schon wieder zu Ende. Von Ndola bis nach Mpulungu und wieder zurück habe ich an diesem Wochenende über 2160km zurückgelegt. Das war alles andere als bequem. Im Auto wurden wir kilometerweit durchgeschüttelt, im Bus krabbelten Kakerlaken im Fußraum herum, mein Rücken tut weh, ich bin müde von den langen Strecken. Doch ich hab das alles auf mich genommen, denn ich wurde mit diesen schönen Erlebnissen belohnt. Zusammen mit Susi, Franzi und Carsten hatte ich eine wahnsinnig tolle, letzte Abschiedsreise in Sambia. Die drei werden nächste Woche die Heimreise nach Deutschland antreten.
Wir mussten Abschied nehmen. In erster Linie nicht von uns, denn wir werden uns auf jeden Fall in Deutschland wiedersehen. Viel mehr von einer wunderschönen, unvergesslichen, gemeinsamen Zeit in Afrika. Es ist dieses besondere Lebensgefühl welches wir hier so genossen haben, von dem wir in erster Linie Abschied nehmen mussten. Ein Gefühl das ich so, auf diese Art und Weise in Deutschland nicht erlebe.

Viele liebe Grüße von eurer reiselustigen Franzi

P.S.: Morgen fahre ich nach Livingstone. Ich melde mich wieder mit einem Urlaubsbericht und tollen Bildern, wenn ich in einer Woche zurück bin :-)
Das gemeinsame Arbeiten mit Linda im St. Anthony

Dienstag, 20. Juli 2010

Dies & Das aus Sambia

Das Wochenende mit Susi und Carsten war „sau schön“ und „sau lustig“. Highlight war wohl das Konzert am Samstagabend von Dandy Krazy- der Star in Sambia! Nach dem wir im Porteco- eine Open Air Bar in Ndola das Fußballspiel geschaut haben, gings in Town zu Dandy Krazy. Zwei seiner Lieder habe ich euch irgendwann mal im Blog hochgeladen. Wie ich euch schon damals berichtet habe war diese sambische Popmusik für uns anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, nervig und alles andere als hörbar. Nun ja, wie das mit so vielem hier ist, haben wir uns im Laufe der Monate an einiges gewöhnt. Auch an Dandy Krazy! So war es tatsächlich ein Highlight diesen großen Star life zu sehen. Er hat allerdings alles andere als life gesungen. Trotzdem, es war ein riesen Spaß. Besonders als er Linda aus der Menge ziehen und zum Tanz auffordern wollte. Die hat daraufhin das Weite gesucht und somit musste die dran glauben, die neben ihr stand. Susi.
Montag haben wir die Gastfamilie Shula und das Waisenhaus St. Martins in Kitwe besucht. Ein Besuch auf dem Markt durfte natürlich nicht fehlen. Dort wurde Linda dann mal wieder beklaut. Diesmal das Portmonee und auch diesmal wurde es ihr zurückgebracht. Es gibt halt doch nicht nur schlechte Menschen in Sambia. Das war aber schon krass, denn Linda war kurz vorher auf der Bank, hatte also beide Bankkarten drin und dazu noch nen Batzen Bargeld. Linda hat den Diebstahl überhaupt nicht mitbekommen. Als plötzlich irgendein Typ ankam, der meinte „Ey, dir wurde gerade dein Portmonee gestohlen“ hat sie in der Tasche gesehen, dass es tatsächlich nicht drin war. Eine riesen Scharr junger Männer stellte sich im Nu im Halbkreis vor uns auf. Alle behaupteten natürlich sie hätten das Portmonee dem Dieb abgenommen. Linda gab dem ersten Typ dann 20.000 Kwacha (ca. 3 Euro) als Dankeschön.
Auf dem Traid Fair Market, der an diesem Wochenende statt fand, konnten wir müde, aber dennoch ausgiebig einige kleine Mitbringsel kaufen. Einmal im Jahr kommen Händler aus ganz Afrika nach Ndola um dort ihre Ware zu verkaufen.
Nachdem wir Alleman bei Linda duschen waren (wir hatten drei Tage kein Wasser in meinem Haus) wurde abends auf sambische Weise gegrillt. Am Nächsten Tag war dann schon wieder Abschiedsstimmung.
Schön war`s!!!

Das ist jetzt schon wieder zwei Wochen her. Unglaublich wie die Zeit vergeht.

Am Montag letzter dieser Woche zogen drei Iren in mein Guesthouse ein. Naja, was soll ich dazu sagen!? Gesellschaft hin oder her. Nachdem ich 7 Monaten alleine in dem Haus wohne ziehen plötzlich drei Fremde ein mit denen ich alles teilen musste. Es war nicht einfach und ich muss ehrlich gestehen, dass ich froh war, als sie Freitags wieder ausgezogen sind. Diesen Montag soll ist eine andere 3er Gruppe Iren für eine Woche eingezogen. Die sind etwas freundlicher und sehr viel hygienischer.

Auf der Arbeit nimmt das Staunen und Kopfschütteln über gewisse Vorfälle kein Ende. Letzte Woche hatte ein Mädchen einen epileptischen Anfall. Zum Glück lag sie im Bett. Ich war gerade dabei einem Jungen den Porridge (Frühstück) anzureichen, als ich sah, wie sie sich total erkrampfte. Da ich zuvor noch nie einen Anfall bei den Kindern hier gesehen habe, war ich total erschrocken und hilflos. Ich rief sofort eine der Frauen. Irgendwie war mir ja klar, dass sie da nichts machen würden. Ich weis nicht, wie lange der Anfall andauerte. Als ich sie sah, war sie bereits am Krampfen. Als ich die Frauen dann fragte, was sie bei einem Anfall unternehmen, wie die Kids behandelt werden und wie oft die Kinder überhaupt einen epileptischen Anfall bekommen, konnte ich mal wieder nur mit dem Kopf schütteln. Im Behindertenhaus gibt es 8 Kinder mit Epilepsie. Wenn ich der Frau glauben soll, dann haben diese Kinder jeden Tag 3 bis 4 Anfälle. Angeblich sind sie auch medikamentös eingestellt. Wobei „einige Kinder manchmal einfach nicht ihre Pillen nehmen wollen“ Zitat ende. Sowas aber auch. Was das für Medis sind, weis ich leider auch nicht. Hier in Sambia (die Erfahrung habe ich auch in Nigeria gemacht) bekommt man seine Medikamente in einer Plastiktüte. Ohne jegliche Hinweise geschweige denn Packungsbeilage. Daher weis ich nicht was und wie viel diese Kinder an Medizin bekommen. Die Frage, ob sie mit den Kindern zum Arzt gehen, wurde verneint.

Hier noch eine andere Story aus meiner täglichen Arbeit. Seid einigen Wochen gehe ich morgens zum Füttern nun immer in das Behindertenhaus. Hier werden alle Kinder gefüttert und somit wird viel Hilfe benötigt. Viele von ihnen sind noch sehr klein. Das Essen und besonders das Schlucken fällt einigen sehr schwer. Noch schwieriger ist es, wenn die Kleinen dann mit einem voll mit Porridge beladenem Esslöffel gefüttert werden. Unglaublich. Ich nahm mir einen Teller und Löffel und ging zu dem kleinen Jungen, der bereits so viele Frakturen am ganzen Körper hat, dass er nur noch steif im Bett liegen kann. Daraufhin wurde mir gesagt ich solle jemanden anderen Füttern. Er sei ein schwieriger Junge und ich würde es nicht schaffen ihn zu füttern. Ja, ein schwieriger Junge, weil ein voll beladener Esslöffel mit Porridge nun mal nicht in seinen kleinen Mund passt. Ich hab ihn trotzdem gefüttert. Zuerst mit dem Esslöffel, dann ging ich in die Küche um nach einem Teelöffel zu suchen. „Wir füttern nur mit Esslöffeln, das geht schneller!“ wurde mir gesagt als ich nach einem Teelöffel fragte. Gut, ich versucht zu erklären, worum es mir ging und man gab mir einen Teelöffel. Auf diese Weise funktioniert das Füttern wenigstens ein bisschen besser. Seit dem ich diesen Jungen zum ersten Mal gefüttert habe, wird mir morgens automatisch ein Teller für diesen Jungen in die Hand gedrückt. Leider aber immer noch mit einem Esslöffel.

Achso, nächste Woche hört ihr erstmal nichts von mir. Ich begebe mich wieder auf Reise. Endlich Urlaub! Am Freitag trete ich die fast 10-stündige Busfahrt nach Mpika an. Samstag fahre ich dann mit Carsten, Susi, Franzi und noch zwei anderen Freiwilligen aus Mpika an den Tanganjikasee. Die reise treten wir mit Carstens kleinem Jeep an. Das Gepäck wird aufs Dach geschnallt, wir Mädels quetschen uns auf die Rückbank bzw. Kofferraum und dann geht’s los. Bin gespannt welche Pannen uns erwarten. So ganz ohne geht’s ja doch nie. Der Tanganjikasee liegt im Norden Sambias direkt an der Grenze nach Tansania. Am 28. Juli werde ich spätestens zurück in Ndola sein.
Am 31. Juli geht’s dann mit Linda und Susi weiter nach Livingstone an die Viktoriafälle. Dort bleiben wir bis zum 6. August. Das wird unsere Abschiedsreise von Sambia und wir werden noch mal das tun, was wir schon die ganzen Zeit vorhatten. Unter anderem auf dem Rücken eines Elefanten durch den Busch reiten.
Ihr hört dann erst wieder drei Wochen bevor ich wieder nach Hause komme von mir.

Man, die Zeit rast…

So, das war das Neuste aus Sambia. Genießt das schöne Sommerwetter. Ich hatte letzte Woche ne fette Erkältung, weil es echt frisch ist. Sambischer Winter!!!

Liebste Grüße aus der Ferne von Franzi

Dienstag, 13. Juli 2010

Ein verlängertes Wochenende mit unseren Freuunden
Hier ein paar Bilder von vorletztem Wochenende, als Susi und Carsten zu Besuch nach Ndola kamen. Ich bin im Moment etwas schreibfaul, deswegen folgt der dazugehörige Blogeintrag am Freitag.

Nur soviel: mir geht's gut!!!!

Bis Freitag!

Dienstag, 29. Juni 2010

Ein paar Bilder
Die Geschichte vom Teekesselchen

Am Samstagmittag machten Linda und ich uns auf den Weg zum Masalamarkt. Ich wollte mir einen Teekessel kaufen. Als wir auf dem Markt nirgends genau den Teekessel finden konnten, den wir haben wollten, gaben wir es schon fast auf. Der Teekessel sollte eine bestimmte Größe und aus Blech sein. Uns zwei Muzungus konnte man wohl unsere Ratlosigkeit ansehen, denn nach kurzer Zeit kam ein junger Mann auf uns zu und fragte nach was wir suchten. Wir erzählten ihm, dass wir nach einem Teekessel in dieser bestimmten Größe und aus Blech suchen. Er wusste natürlich, wo man diesen bestimmten Kessel finden konnte. Er lies uns ca. 15 Minuten mitten auf dem Markt warten, während dessen er scheinbar den kompletten Masakamarkt (der nicht gerade klein ist) nach unserem Teekesselchen absuchte. Nach einer viertel Stunde kam er mit einem 3er Set Teekessel aus Edelstahl zurück. Danach hatten wir ja nicht gesucht. Trotzdem wollte er uns dieses Set viel zu überteuert andrehen. Wir winkten ab und waren schon im Begriff zu gehen, als er meinte, er würde noch mal los laufen.

Linda und ich warteten weitere 10 Minuten auf unseren Teekesselhändler. Während dessen schauten wir dem Treiben auf dem Markt zu. Viele betrunkene Männer zogen an uns vorbei (am Wochenende ist die Zahl an betrunkenen Männern um einiges erhöht). Die Eierfrau bot Linda ihren Stuhl zum sitzen an. Ein Mann, der mit den verschiedensten Farben an Nagellack über den Markt lief und den Marktfrauen die Fußnägel lackierte fragte, ob wir auch mal wollten. Dann kamen plötzlich drei Männer, alle drei hatten einen Teekessel in der Hand. Natürlich jeder einen anderen. Aber nicht den, den ich haben wollte. Scheinbar hatte sich auf dem Markt rumgesprochen, dass die Muzungus einen Teekessel suchten. Wir dankten den drei Herren und warteten weiter auf unseren Mann.

Nach 10 Minuten des Wartens kam er zurück. Total außer Atem und völlig verschwitzt hielte er uns stolz genau den Teekessel vor die Nase, nachdem wir gesucht hatten.
Jetzt ging’s ans Verhandeln: Natürlich setzte er mit einem enormen Muzungupreis an, der bei mehr als dem dreifachen des normalen Preises lag. Da sich Linda bereits genau diesen Teekessel vor einigen Monat gekauft hatte, kannten wir den üblichen Preis. Er konnte uns also nicht so leicht über den Tisch ziehen. Nach kurzer Verhandlung ging er mit dem Preis um weniger als ein Drittel runter. Das war aber immer noch nicht der Preis, für den ich den Kessel gekauft hätte. Leider lies er nicht mit sich reden, also verabschiedeten wir uns höflich. Die drei anderen Händler mit ihren Teekesseln in der Hand schalteten sich dann plötzlich auch noch ein, und meinten wir sollten etwas nachsichtig sein, schließlich sei er über den ganzen Markt gerannt, um uns unseren Kessel zu bringen.
Linda und ich machten uns auf den Weg zum Bus. Bis zur Busstation liefen uns die Männer mit dem Kessel hinterher. Ich erklärte, dass ich zwar diesen Kessel gerne haben möchte, aber nicht für diesen Preis und dass ich ihn mir dann eben woanders kaufen muss. So ging es ständig hin und her, bis er schließlich nachgab und sagte, ich könne ihn für meinen Preis haben. Mittlerweile war ich ziemlich genervt von der ganzen Kesselaktion und wäre eigentlich am liebsten nur noch gegangen. Na gut, ich holte mein Geld raus und während ich das tat fing er schon wieder an, ich solle doch noch zweitausend drauf legen. Ich stellte den Kessel auf den Boden und ging weiter. Meine Geduld war jetzt am Ende. Er hatte ihn mir fast nachgeworfen, als ich ihm dann das Geld gab. Immer noch das doppelte von dem üblichen Preis.

Völlig genervt, aber glücklich mit meinem Teekesselchen, stiegen Linda und ich in den Bus, um zurück in die Stadt zu fahren. Auf halber Strecke hielte der Bus an und zerrte einen Mann aus der Mitte des Busses, der scheinbar nicht genug Geld dabei hatte, um die volle Strecke in die Stadt bezahlen zu können. Er fluchte und tritt nach dem Contacter (das ist der Mann, der im Bus nie Platz hat und das Geld einsammelt). Linda und ich saßen in der letzten Reihe des Busses und als wir uns umdrehten, um nach dem Mann zu schauen, hob er einen riesigen Stein vom Boden auf, den er in Richtung Bus warf. Zum Glück hat er nicht getroffen, denn wenn er getroffen hätte, dann hätte dieser Stein die Heckscheibe eingeschlagen und uns getroffen.

Ein ganz normaler Tag in Ndola.

Liebste Grüße von Franzi

Freitag, 25. Juni 2010

Muli shani…

Mal wieder habe ich mich längere Zeit nicht gemeldet, da es in den letzten Wochen einfach nichts Neues zu berichten gab. Und das gibt es auch jetzt nicht wirklich. Alles läuft wie immer, aber irgendwie fühle ich mich verpflichtet mal wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben.

Linda hat ihre Arbeitsstelle gewechselt. Vielleicht habe ich schon mal davon berichtet, als sie im Cheshire Home aufgehört hat, um in den Projekten der Diozöse mitzuhelfen. Sie fing bei den Projekten IAP (Intigratet Aids Programm) und CBR, ein Projekt für Menschen mit Behinderungen an. Da sie bei IAP neben 3 Krankenschwestern so gut wie keine Aufgabe hatte, hat sie sich letzte Woche bei diesem Projekt verabschiedet, um von nun an zwei Mal in der Woche mich im St. Anthony zu unterstützen. Darüber freue ich mich natürlich riesig. Einmal weil es schön ist mit Linda gemeinsam zu „arbeiten“ und zum anderen weil es zu zweit viel einfacher ist mit 130 Kindern etwas zu machen. Außerdem ist es zu zweit auch leichter sich bei den Frauen durchzusetzen  Wir haben einige Ideen, die wir mit den Kindern in den nächsten Wochen umsetzten wollen. Gerade jetzt für die letzten Wochen ist das noch mal eine schöne Abwechslung für mich.

Eine schöne Abwechslung war es auch, als ich die letzten zwei Wochen drei Mal mit Linda in ihre Projekte gefahren bin. Außerdem hat mich auch Lindas neues „Arbeitsfeld“ interessiert. Zum einen habe ich sie einmal morgens nach Chifubu ins CBR begleitet, wo sie von nun an 3 Mal in der Woche bei der Physiotherapie für Kinder mit Behinderungen mithilft. Alles was ihnen dort an Therapiematerial zur Verfügung steht ist in Gymnastikball und selbstgebastelte Stühle aus Pappmaschee. Neben der Therapie gibt es dort eine Schulklasse für Kinder und Jugendliche mit geistiger und körperlicher Behinderung, sowie eine Schreinerei. Für eine halbe Stunde haben wir uns mit in die Klasse gesetzt, wo sie gerade Sexualkunde hatte und über das Thema Aids und Hygiene gesprochen haben.

Letzte Woche begleitete ich Linda zu ihren letzten Tag bei IAP. Man kann es sich wie eine mobile Klinik vorstellen. Ein Team aus 3 Krankenschwestern und einer Sozialarbeiterin fährt in die abgelegenen Compounds, um Menschen, die HIV infiziert oder aidskrank sind zu behandeln und mit Medikamenten zu versorgen. Sehr interessant aber auch schrecklich traurig war es, als wir uns zu dem Arzt (er kommt einmal in der Woche) ins „Behandlungszimmer“ setzten durften und er uns über die 4 verschieden Stadien von HIV aufgeklärt hat. Die Patienten bekommen bei IAP ihre Medikamente und auch etwas zu Essen, denn viele von den Dorfbewohnern können sich nicht mal das leisten. Es war schlimm zu sehen, wie krank diese Menschen teilweise sind und dann zu wissen, dass es ihnen erheblich besser gehen könnte, wenn es nur eine bessere Gesundheitsversorgung geben würde. Die Medikamente die sie bekommen, werden aus Indien gespendet. Viele der Patienten, wenn nicht sogar alle, haben von den Medis, die sie manchmal 3 Mal täglich einnehmen müssen, schwere Nebenwirkungen wie Durchfall oder Fieber. Letztendlich sterben sie oft nicht an der Infektion, sondern an den Nebenwirkungen der schlechten Tabletten. Das ist grausam, wenn man bedenkt, dass aidskranke Menschen bei uns aufgrund der besseren Medikamente eine nicht geringere Lebenserwartung haben als gesunde Menschen.


Nächstes Wochenende kommen Carsten und Susi zu uns nach Ndola. Es ist mal wieder ein verlängertes Wochenende und daher lohnt es sich für die beiden diese lange Busfahrt von Mpika auf sich zu nehmen.
Wir planen noch einen gemeinsamen Urlaub zu fünft in Livingstone, um uns noch mal die Viktoriafälle in der Trockenzeit anzuschauen. Das wird in der ersten Augustwoche passieren, da die drei Freiwilligen aus Mpika kurz darauf wieder nach Hause fliegen. Wenn sie jetzt am Wochenende kommen werden wir das alles weiter besprechen und planen können. Ich freu mich natürlich wie immer schon riesig auf all die kleinen Ausflüge. Sie sind etwas, auf das ich „hinarbeiten“ kann.

Letzte Woche Freitag war in ganz Sambia Stromausfall. Für 9 Stunden war ganz Sambia tot. Und das als Deutschland gespielt hat. Linda und ich sind absolut keine Footballfreaks aber an diesem Tag haben wir extra unseren Bembasprachkurs abgesagt, um uns das Spiel anzuschauen und ausgerechnet dann ging nichts. Einige Leute sagten uns, dass viele südafrikanischen Länder für die WM in Südafrika Strom sparen müssten, deshalb sei der Strom in ganz Sambia für 9 Stunden abgestellt worden. Als der Strom dann wieder da war, hat`s Festnetz nicht mehr funktioniert. Es stellte dich dann raus, dass der Gärtner beim Baumschneiden das Kabel durchgeschnitten hat. :-)

Wie ihr seht gibt es tatsächlich nichts Neues oder Interessantes aus Sambia. Von der Arbeit berichte ich euch heute mal nicht, denn das lässt den ganzen Blog immer so negativ erscheinen.

Mir geht’s gut und ich freu mich auf zu Hause :-)
Eure Franzi

Freitag, 28. Mai 2010

Letzten Freitag kamen Susi und Franzi, nach nur 7 Stunden Fahrt, um 2:30Uhr in Masala in Ndola an. Unser gemeinsames Wochenende war „very very busy!“ Wir waren nur auf Achse!!! Da Dienstag „African Freedom day“ war, stand uns ein langes Wochenende zu viert bevor.

Samstagmorgen fuhren wir zum „shoppen“ nach Kitwe. Auf dem großen Sokone Market wurden wir alle- wie soll’s auch anders sein- fündig. Mit voll bepackten Tüten ging’s dann am Nachmittag zurück nach Ndola. Trotz des bevorstehenden Tagesausflugs am folgenden Tag, entschieden wir uns dazu abends noch in die Stadt zu fahren, um ein paar Mosi zu trinken.

Sonntag sind wir früh aufgebrochen. Linda und ich hatten für die Mädels einen Überraschungsausflug geplant. Es ging nach Chimfunshi- ein Waisenhaus für Schimpansen zwischen Chingola und Solwezi. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es nicht möglich dort hin zu kommen (weil es im tiefsten Busch liegt), deswegen hatten Linda und ich bisher nie die Möglichkeit gehabt, diesen Ort zu besuchen. Für einen Besuch in Chimfunshi brauchten wir also ein eigenes Auto. Hier an ein Auto zu kommen ist gar nicht so einfach. Sich ein Auto für einen Tag zu mieten ist in Ndola so teuer, wie man bei uns für eine Woche bezahlen würde. Nach langer Überlegung, kam uns die Idee, dass wir uns ein Auto von der Diozöse leihen könnten. Also sind Linda und ich in die Diozöse gelatscht, hatten ein nettes Gespräch mit dem Pfarrer und kurz darauf stand fest, dass wir das Auto inklusive Fahrer habe konnten. Wir vereinbarten, dass wir den Sprit, sowie den Fahrer für den Tag bezahlen würden. Somit war der Deal perfekt.
Pünktlich um 9Uhr ging es los. Nach drei Stunden grauenhafter Fahrt über unmögliche Straßen und Pisten erreichten wir Chimfunshi.

Das Chimfunshi Orphanage wurde 1983 von einer englischen Familie gegründet. Heute leben 111 Schimpansen auf der Chimfunshi- Farm und ein Hippo namens Billi. Die Schimpansen kommen zum größten Teil aus der Demokratischen Republik Kongo, aber auch aus Ruanda und Uganda. Aus Ländern, in denen immer noch Wilderer die Affenmütter töten, um die Babys an reiche Familien zu verkaufen, oder Einheimische, die auf das Affenfleisch aus sind, weil sie denken, wenn sie es essen, würden die Kräfte eines Affen auf den Menschen übertragen werden.
In Chimfunshi gibt es mittlerweile 4 Freigehege mit 250 Hektar Fläche und 15 Gewöhnungs- und Fütterungskäfige. Außerdem ein 14.000 Hektar großes Freigehege. Die Familie hat sogar ein Fordbildungszentrum für die Einheimischen erbauen lassen. Alles in Allem also sehr, sehr groß. Für uns alle war es sehr interessant dieses Waisenhaus für bedrohte Schimpansen zu besuchen.

Im Heim haben wir letzte Woche schon wieder 3 neue Kinder bekommen. Ein Zwillingspärchen, 7 Wochen. Die Oma hat die beiden Babys gebracht. Die geistig Behinderte Mutter hatte bereits 14 Kinder. Die Betonung liegt auf hatte, denn sie sind alle gestorben! Am selben Tag kam noch ein kleiner Junge, vielleicht gerade 2 Jahre alt. Er kam wie so viele Kinder, die zu uns kommen total unterernährt und musste am nächsten Tag sofort ins Krankenhaus. Heute kam wieder ein neues Baby. Georg, 9 Monate. Seine Mutter liegt im Krankenhaus im streben und scheinbar gibt es sonst niemanden, der sich um den Kleinen kümmern kann.

Seid dem Vorfall mit dem Jungen, der geschlagen wurde und dem wahnsinnigen Gespräch mit der Schwester letzte Woche ist es echt bisschen schwierig. Ich kann’s mir einfach nicht mehr mit ansehen. Ich hab nicht mehr so richtig viel Lust jeden Morgen dort hin zu gehen und alles hinnehmen zu müssen. Ehrlich gesagt bin ich in letzter Zeit einfach zu oft genervt von all dem hier. Von der Arbeit, von den Menschen auf der Arbeit, von den Sitten, von dem Verhalten der Sambier auf der Straße, alles. Die Luft ist einfach raus und es wird Zeit, dass ich nach Hause komme. Je näher der Abflug rückt, desto mehr freue ich mich auf zu Hause. Es dauert nicht mehr lange bis wir fliegen, doch ich hoffe echt, dass sich die nächsten Wochen nicht noch in die Länge ziehen. Um mich aufzubauen versuche ich jetzt in der letzten Zeit einfach noch mal das Schöne besonders wahrzunehmen, wie zum Beispiel mein heißgeliebter Sonnenuntergang, der Duft auf dem Markt, die bunten Farben auf der Straße, die süßen Kids, die sich freuen, wenn ich den Raum betrete. Das hilft, um mir bewusst zu machen, dass ich ja doch richtig hier bin.

Mir geht’s gut :-) und wie immer denk ich an euch. Eure Franzi

Dienstag, 18. Mai 2010

„Man ist nicht nur für das verantwortlich was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.“

Von meiner Arbeit zu berichten wird euch sicher langsam langweilen. Ich weiß, es nervt mich selbst, denn es kommen ja doch nur immer wieder die gleichen schlechten Nachrichten.

Gestern habe ich wieder einmal beobachtet, wie drei Frauen einen Jungen auf der Wiese, vor meinem Wohnzimmerfenster, mit einem Schuh verdroschen haben. Der Junge war nackt, ich vermutete, dass er sich nicht anziehen lassen wollte. Sepiso ist geistig Behindert und liebt es nackt auf der Wiese zu sitzen. Sie haben immer wieder auf ihn draufgehauen, haben ihn an Armen und Beinen gezogen und an einen Wellblechzaun geworfen. Als er sich nicht mehr werte, hat ihn eine Frau mehr als grob angezogen. Als sie fertig war, schlug sie ihm noch einmal so feste gegen den Rücken, dass er vornüber fiel. Er stand auf und rannte auf die andere Seite des Hauses. Die Frauen, und nicht nur die, die ihn schlugen, sondern auch die, die drum herum standen und zusahen, fingen an zu lachen. Es schien, als sei es wahnsinnig witzig und unterhaltsam für sie gewesen.
Ich stand fassungslos an meinem Fenster und konnte nicht glauben, was ich da sah.
Ich fühlte mich schlecht, weil ich nichts unternommen hatte, um die Hexen zu stoppen. Was hätte ich tun sollen?
Meine Mittagspause war vorbei und ich ging Widerwillens zurück zu den Kindern. Als ich genug Mut gefasst hatte, sprach ich eine der Frauen an, die den Jungen geschlagen hatte. Fragte sie nach dem Warum. Ich weiß, dass sie eine von den Frauen ist, die wenigstens etwas Englisch sprechen kann. Oft genug schon, habe ich mich mit ihr unterhalten. Jetzt tat sie allerdings so, als könnte sie sich nicht ausdrücken. Als ich mich einige Meter von ihr entfernt hatte, rief sie die beiden anderen Frauen zu sich. Aus ihrer Mimik und Gestik heraus konnte ich genauestens verstehen, vorüber sie sich lustig machten. Über mich. Ich ging wieder hin. Fragte eine Andere, warum sie Sepiso geschlagen haben. Eine „englischsprachige“ Frau antwortete mir und begründete die Misshandlung (Ja, ich nenne es Misshandlung, weil es Misshandlung war!) damit, dass der Junge sich nicht anziehen lassen wollte. Die anderen beiden Frauen standen daneben und lachten mich aus. Ich musste mich ziemlich zusammenreißen. Ich konnte das nicht glauben. Ich meine, ich bin ja inzwischen schon einiges gewöhnt von hier, aber das war zu viel. Alles was ich noch sagen konnte war, dass das kein Grund ist ein Kind zu schlagen und dass es erstrecht nicht lustig ist. Ich drehte mich um und ging.

Kurze Zeit später kam die deutsche Schwester ins Heim. Wieder fasste ich all meinen Mut fassen und sprach sie direkt auf diesen Vorfall an. „Er ist ein schwieriger Junge!“ sagte sie. Auf meine Frage, ob sie das damit entschuldigen würde, sagte sie, das dies sambische Art sei und nur das bei den Kindern ziehen würde! Diese Kinder hier in Sambia seinen anders, als die Deutschen. Das ist krass, aber was mich am meisten schockte war, dass sie sagte, dass sie diese Kinder (die geistig behinderten Kinder) eigentlich gar nicht hier haben wollte.

Dieses Gespräch mit der Schwester, war alles was ich tun konnte. Bisher hatte ich nie den Mut gehabt, sie direkt darauf anzusprechen. Vielleicht weil ich wusste, dass auch sie die Frauen nicht ändern könnte. Aber, dass sie so reagiert und mit solch einer Abgebrühtheit darüber dachte und sprach schockierte mich.
Erstrecht hatte ich bisher nie den Mut gehabt, die Frauen darauf anzusprechen. Ich wusste, dass sie mich auslachen würden, dass sie meine Sicht der Dinge überhaupt nicht nachvollziehen könnten. Am meisten Sorge hatte ich aber immer, dass ich mich mit solch einem Gespräch nur noch unbeliebter machen würde. Das hätte mir meinen Dienst hier nur noch mehr erschwert. Tja, wenn’s das nur ist, konnte ich das nun leicht auf mich nehmen und jetzt habe ich es wohl auch geschafft. Aber soll ich euch mal was sagen: Es ist mir scheiß egal, denn was ändert das schon groß!?

Das war ein Scheißtag! Meine letzten Hoffnungen, die ich in die deutsche Schwester gelegt hatte, wurden zerstört. Jetzt heißt es wirklich nur noch `hinnehmen wie es ist’. Die nächsten 11 Wochen werde ich auch noch schaffen.

Im Moment arbeite ich auf das kommende Wochenende hin. Susi und Franzi werden in Ndola vorbeischauen. Freitagnacht kommen sie an. Eigentlich war geplant, dass Carsten mitkommt, aber der musste leider abgesagt. Dienstag ist „afrikan freedom day“ und wenn ich mich nicht irre, dann ist Montag „farmersday“. Da beides Feiertage sind, steht uns ein langes Wochenende zu viert bevor. Das ist super, auch wenn ich etwas traurig bin, dass Carsten nicht mit dabei sein wird. Es sollte noch einmal ein letztes gemeinsames Wochenende in Sambia werden, bevor die drei bald abreisen.
Die Stadtmäuse haben eigens vor mit den Buschmäusen  Was genau wir vorhaben ist aber noch eine Überraschung für die beiden, deswegen kann ich hier jetzt nichts Genaueres erzählen. Ist ja schließlich alles öffentlich hier 

Ich denk’ wie immer an euch!!!

@ Stefanie: Bedenico kann lachen. Und wie! Dabei gibt er sogar richtige Geräusche von sich. Ich lade dir mal das Bild hoch. Unglaublich, wahrscheinlich erkennst du ihn gar nicht mehr wieder. Ein völlig anderer Junge