„Man ist nicht nur für das verantwortlich was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.“
Von meiner Arbeit zu berichten wird euch sicher langsam langweilen. Ich weiß, es nervt mich selbst, denn es kommen ja doch nur immer wieder die gleichen schlechten Nachrichten.
Gestern habe ich wieder einmal beobachtet, wie drei Frauen einen Jungen auf der Wiese, vor meinem Wohnzimmerfenster, mit einem Schuh verdroschen haben. Der Junge war nackt, ich vermutete, dass er sich nicht anziehen lassen wollte. Sepiso ist geistig Behindert und liebt es nackt auf der Wiese zu sitzen. Sie haben immer wieder auf ihn draufgehauen, haben ihn an Armen und Beinen gezogen und an einen Wellblechzaun geworfen. Als er sich nicht mehr werte, hat ihn eine Frau mehr als grob angezogen. Als sie fertig war, schlug sie ihm noch einmal so feste gegen den Rücken, dass er vornüber fiel. Er stand auf und rannte auf die andere Seite des Hauses. Die Frauen, und nicht nur die, die ihn schlugen, sondern auch die, die drum herum standen und zusahen, fingen an zu lachen. Es schien, als sei es wahnsinnig witzig und unterhaltsam für sie gewesen.
Ich stand fassungslos an meinem Fenster und konnte nicht glauben, was ich da sah.
Ich fühlte mich schlecht, weil ich nichts unternommen hatte, um die Hexen zu stoppen. Was hätte ich tun sollen?
Meine Mittagspause war vorbei und ich ging Widerwillens zurück zu den Kindern. Als ich genug Mut gefasst hatte, sprach ich eine der Frauen an, die den Jungen geschlagen hatte. Fragte sie nach dem Warum. Ich weiß, dass sie eine von den Frauen ist, die wenigstens etwas Englisch sprechen kann. Oft genug schon, habe ich mich mit ihr unterhalten. Jetzt tat sie allerdings so, als könnte sie sich nicht ausdrücken. Als ich mich einige Meter von ihr entfernt hatte, rief sie die beiden anderen Frauen zu sich. Aus ihrer Mimik und Gestik heraus konnte ich genauestens verstehen, vorüber sie sich lustig machten. Über mich. Ich ging wieder hin. Fragte eine Andere, warum sie Sepiso geschlagen haben. Eine „englischsprachige“ Frau antwortete mir und begründete die Misshandlung (Ja, ich nenne es Misshandlung, weil es Misshandlung war!) damit, dass der Junge sich nicht anziehen lassen wollte. Die anderen beiden Frauen standen daneben und lachten mich aus. Ich musste mich ziemlich zusammenreißen. Ich konnte das nicht glauben. Ich meine, ich bin ja inzwischen schon einiges gewöhnt von hier, aber das war zu viel. Alles was ich noch sagen konnte war, dass das kein Grund ist ein Kind zu schlagen und dass es erstrecht nicht lustig ist. Ich drehte mich um und ging.
Kurze Zeit später kam die deutsche Schwester ins Heim. Wieder fasste ich all meinen Mut fassen und sprach sie direkt auf diesen Vorfall an. „Er ist ein schwieriger Junge!“ sagte sie. Auf meine Frage, ob sie das damit entschuldigen würde, sagte sie, das dies sambische Art sei und nur das bei den Kindern ziehen würde! Diese Kinder hier in Sambia seinen anders, als die Deutschen. Das ist krass, aber was mich am meisten schockte war, dass sie sagte, dass sie diese Kinder (die geistig behinderten Kinder) eigentlich gar nicht hier haben wollte.
Dieses Gespräch mit der Schwester, war alles was ich tun konnte. Bisher hatte ich nie den Mut gehabt, sie direkt darauf anzusprechen. Vielleicht weil ich wusste, dass auch sie die Frauen nicht ändern könnte. Aber, dass sie so reagiert und mit solch einer Abgebrühtheit darüber dachte und sprach schockierte mich.
Erstrecht hatte ich bisher nie den Mut gehabt, die Frauen darauf anzusprechen. Ich wusste, dass sie mich auslachen würden, dass sie meine Sicht der Dinge überhaupt nicht nachvollziehen könnten. Am meisten Sorge hatte ich aber immer, dass ich mich mit solch einem Gespräch nur noch unbeliebter machen würde. Das hätte mir meinen Dienst hier nur noch mehr erschwert. Tja, wenn’s das nur ist, konnte ich das nun leicht auf mich nehmen und jetzt habe ich es wohl auch geschafft. Aber soll ich euch mal was sagen: Es ist mir scheiß egal, denn was ändert das schon groß!?
Das war ein Scheißtag! Meine letzten Hoffnungen, die ich in die deutsche Schwester gelegt hatte, wurden zerstört. Jetzt heißt es wirklich nur noch `hinnehmen wie es ist’. Die nächsten 11 Wochen werde ich auch noch schaffen.
Im Moment arbeite ich auf das kommende Wochenende hin. Susi und Franzi werden in Ndola vorbeischauen. Freitagnacht kommen sie an. Eigentlich war geplant, dass Carsten mitkommt, aber der musste leider abgesagt. Dienstag ist „afrikan freedom day“ und wenn ich mich nicht irre, dann ist Montag „farmersday“. Da beides Feiertage sind, steht uns ein langes Wochenende zu viert bevor. Das ist super, auch wenn ich etwas traurig bin, dass Carsten nicht mit dabei sein wird. Es sollte noch einmal ein letztes gemeinsames Wochenende in Sambia werden, bevor die drei bald abreisen.
Die Stadtmäuse haben eigens vor mit den Buschmäusen Was genau wir vorhaben ist aber noch eine Überraschung für die beiden, deswegen kann ich hier jetzt nichts Genaueres erzählen. Ist ja schließlich alles öffentlich hier
Ich denk’ wie immer an euch!!!
@ Stefanie: Bedenico kann lachen. Und wie! Dabei gibt er sogar richtige Geräusche von sich. Ich lade dir mal das Bild hoch. Unglaublich, wahrscheinlich erkennst du ihn gar nicht mehr wieder. Ein völlig anderer Junge
Dienstag, 18. Mai 2010
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